Vattenfall will mal wieder klagen - Vorerst aber Freude bei KEBAP

Altonaer Bunker
  Das Washingtoner Schiedsgericht gehört zu den Leibgerichten von Vattenfall. Schließlich ist es seine Aufgabe, die Interessen von Konzernen gegen Staaten zu verteidigen. So hatten sich die deutschen Unterzeichner der Energiecharta das sicher nicht vorgestellt. Die Energiecharta soll privaten Investoren ermöglichen, in Fällen von nicht »fairer und gerechter Behandlung« ihre Gastgeberländer direkt zu belangen. Spätestens als Vattenfall gegen die Umweltauflagen für das Kohlekraftwerk Moorburg klagte, war die Energiecharta für Deutschland zum Bumerang geworden. Es ging immerhin um 1,4 Mrd EUR. Der inzwischen geschlossene Vergleich wurde nicht öffentlich bekannt gegeben.
Ein weiteres Mal zog der Konzern vor das Gericht, weil er den Atomausstieg für eine unzumutbare Härte hielt. Auch hier ging es um Milliardenbeträge, heißt es.

Doch gerade in Hamburg bekommt Vattenfall mächtig Gegenwind. Der zähe Widerstand gegen die Moorburgtrasse hat nicht nur die Trasse ins Wanken gebracht und vorläufig (!) - das Planfeststellungsverfahren läuft weiter - gestoppt, er hat vor allem das Thema Fernwärme auf die Agenda gebracht. Die TrassengegnerInnen wurden nicht müde zu betonen: Den Strom- und Gasanbieter kann man wechseln, den Fernwärmeanbieter nicht. Wärmekunden sind also in jedem Fall Zwangskunden. Die Entscheidung des Bundeskartellamts ermöglicht die Durchleitung der Wärme, analog zu der Funktionsweise von Ökostromanbietern. Die erfolgreiche Klage der Verbraucherschutzzentrale Hamburg erfreut die TrassengegnerInnen daher sehr. Vattenfall-Sprecher Kleimeier macht deutlich, dass man noch auf eine juristische Fliegenklatsche hofft.

An alternativen Wärmekonzepten arbeiten auch Ökoenergieanbieter, wie Lichtblick und Greenpeace Energy, aber auch das Kultur-Energie-Bunker-Altona-Projekt (KEBAP), das aus dem Widerstand gegen die Trasse entstanden ist. AnwohnerInnen, die damals aktiv wurden, um ein fossiles Monster zu verhindern, sind nicht bei dem Protest stehen geblieben. Mit KEBAP stellt ein inzwischen erweiterter Kreis von Aktiven ein Pionierprojekt für ein dezentrales Wärmekonzept vor. Ein Biomasse-Heizkraftwerk im Stadtteil hat kürzere Wege zum Verbrauchsort als ein Großkraftwerk und ist so wesentlich effizienter. Die Biomasse soll aus Holzschnitzeln stammen, die ohnehin anfallen und derzeit ohne weitere Nutzung verbrannt werden. Außerdem könnten Bioabfälle aus dem Stadtteil genutzt werden. Die vielen leer stehenden Bunker in Hamburg, deren Abriss sehr teuer wäre würden mit so sinnvoll genutzt. Die dezentrale Struktur befördert außerdem die Einflussnahme und Beteiligung an der Planung und Gestaltung. Das gilt nicht nur für die Energieerzeugung, sondern auch für den Kulturteil. Insbesondere in diesem Punkt gibt es noch viele Nutzungsmöglichkeiten.

Wer Interesse hat, sich einzubringen oder auch mal reinzuschaun, ist bei den regelmäßigen offenen Treffen herzlich willkommen: Jeden ersten Donnerstag im Monat um 19.30 Uhr im Parkcafé (Gählerpark), direkt hinter dem Bunker in der Schomburgstraße.

http://kulturenergiebunker.de/

Auch die Initiative "Unser Hamburg Unser Netz" bekommt Aufwind für das Vorhaben, 2013 einen Volksentscheid zur vollständigen Rückführung der Netze in öffentliche Hand durchzuführen.
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