Unangekündigter Kahlschlag

Statt Bäumen nur noch kahle Flächen: Anwohnerin Renate Knötzsch macht sich Sorgen um Verkehrslärm und Auspuffgase. Foto: cvs

A7-Auffahrt Othmarschen: Bäume müssen Feuerwehrwache Platz machen – Anwohner verärgert.

Von Christopher von Savigny. Unmittelbar vor ihrer Haustür ist Renate Knötzsch noch einigermaßen sicher vor Dreck und Lärm: Ein mehrere Meter hoher Erdwall mit dichtem Bewuchs schützt die Reihenhausbewohner der Walderseestraße vor Lärm und Abgasen der nahen Autobahn. Doch nur wenige Schritte entfernt sieht die Sache gleich ganz anders aus: Auf dem dicht bewaldeten „Kleeblatt“ innerhalb der Auffahrt Richtung Süden hatte das Bezirksamt im März – für die Anwohner völlig überraschend – im großen Stil die Motorsäge angesetzt.

Rund 3.000 Quadratmeter „strauchartige Gehölzfläche“ sowie 21 Bäume – überwiegend Linden und Kiefern – mussten nach Auskunft des Bezirksamts Altona weichen. Anwohnerin Renate Knötzsch sorgt sich nun um ihre Wohnqualität. „Es ist laut, und es stinkt“, sagt sie. „Mich wundert auch, dass die Bäume erst jetzt, nach Ablauf der Schonzeit gefällt wurden. Warum hat man uns nichts gesagt?“
Hintergrund: An der Auffahrt zur A7 entsteht bis Mitte 2017 eine neue Feuerwache, die später auch den Autobahndeckel Othmarschen mitversorgen soll. „Wir werden dort anfangs mit zwei Einsatzfahrzeugen stationiert sein“, sagt Werner Nölken, Sprecher der Hamburger Feuerwehr.

„Es ist laut, und es stinkt“, sagt Anwohnerin Knötzsch

Nach Fertigstellung des betreffenden Deckelabschnitts (nicht vor 2023, Anmerkung der Redaktion) könnten vom neuen Standort aus bis zu vier Löschzüge zum Einsatz kommen. Die alte Wache unmittelbar auf dem Portal zum Elbtunnel (Straße: Holmbrook) soll laut Feuerwehr umgebaut werden und künftig nur noch als Betriebszentrale dienen. „Der Umzug hat für uns auch den Vorteil, dass wir deutlich schneller am Einsatzort sein können“, sagt Nölken. „Vorgegeben ist eine Zeitspanne von fünf Minuten.“ Die Auffahrt Othmarschen wird im Übrigen nicht „überdeckelt“, sondern bekommt als Ausgleich eine 500 Meter lange Lärm-
schutzwand.
Autobahnbau ist Bundesangelegenheit – auch aus diesem Grund kann das Bezirksamt für die späte Rodungsaktion eine Sondergenehmigung vorweisen: „Es wurde eine naturschutzrechtliche Befreiung von der Schutzzeit, unter der Bedingung der artenschutzfachlichen Begleitung, erteilt“, erklärt Amtssprecher Martin Roehl. Zum Thema Anwohnerinformation sagt der Sprecher nichts.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.