Über 8.000 Gebetskalender

Tunahan Orhan arbeitet als Imam in der Ulu-Moschee: Der VIKZ ist der einzige Verband, der seine Prediger in Deutschland ausbilden lässt. Foto: CVS

Die Ulu Camii ist eine der großen Hamburger Moscheen

Ch. v. Savigny, Ottensen
Der Weg zu den Ottenser Muslimen führt durch einen schmalen Gang, den man nur auf Strumpfsocken betreten darf. Kurz darauf wird es auf einmal taghell: Der riesige Gebetssaal auf der Rückseite der Häuserfront in der Bahrenfelder Straße ist mit rotem Teppichboden ausgelegt; an der Seite befindet sich eine Gebetsnische („Mihrab“) aus dunklem Holz, die in Richtung Mekka zeigt. „Ulu Camii“ heißt auf deutsch „Große Moschee“. Das passt, denn die Gemeinde ist eine der drei größten in Hamburg.Obwohl niemand so genau sagen kann, wieviele Mitglieder sie eigentlich hat. „Das ist so eine klassische Frage, wie sie uns oft gestellt wird“, sagt Murat Pirildar, der sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Listen – wie in christlichen Gemeinden – gebe es nicht, auch keine Kirchensteuern. „Ein Anhaltspunkt ist vielleicht unser Gebetskalender“, sagt er. „Davon verteilen wir jedes Jahr etwa 8.000 bis 10.000 Stück an unsere Besucher.“

Gemeinde wurde 1975 gegründet

1975 war die Gemeinde von theologisch interessierten Einwanderern – die man damals „Gastarbeiter“ nannte – gegründet worden. Den schicken, modernen Gebetssaal gibt es aber erst seit vier Jahren, zuvor hatte eine ehemalige Fabrikhalle für Stahlverarbeitung als Behausung gedient. Weil sich die Ulu Camii allein über Spenden und freiwillige Beiträge finanziert und daher nicht unendlich viel Geld für den Neubau vorhanden war, halfen handwerklich begabte Gemeindeglieder beim Innenausbau – ohne Bezahlung.
Auch von der Dachorganisation VIKZ, dem „Verband der Islamischen Kulturzentren“, kam keine Unterstützung. Vier Imame, einer davon in Teilzeit, leiten die Gottesdienste, kümmern sich um die Seelsorge und machen zum Beispiel Krankenbesuche.
Die Ulu Camii ist eine offene Gemeinde. Einmal im Jahr steigt ein Straßenfest, auf dem sich die Moschee ihren Nachbarn vorstellt. Die Gemeinde fühlt sich gut integriert. „Natürlich leben wir hier in einem privilegierten Stadtteil, denn Ottensen ist sehr weltoffen und verständnisvoll“, sagt Pirildar. Er gehöre jetzt zu den türkischstämmigen Hamburgern der dritten Generation, die mit Deutsch als Muttersprache aufgewachsen seien. „Wenn es um Integration geht, ist die Sprachbarriere immer noch die größte Hürde“, sagt Pirildar.
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