U4: Es donnert im Haus

Die neue U4 fährt die Stationen Überseequartier und HafenCity Universität an. (Foto: Erwin Lorenzen/pixelio)

40 Meter unter der Erde und trotzdem laut: die neue U-Bahnlinie in die HafenCity

Im Dezember wurde Hamburgs neue U-Bahnstrecke zur Hafencity eröffnet und zum ersten Mal befahren. Was von den meisten begrüßt und mit einer kostenlosen U-Bahn-Fahrt gefeiert wurde, bedeutet für einige Hamburger eine deutliche Einbuße in Wohnqualität. In ihren Häusern grollt und rumpelt es jetzt.
Neun Parteien leben im Haus Kornträgergang 21. Ganz oben wohnt seit neun Jahren Heinz-Jürgen Blech (65). Eine Dachgeschosswohnung. In den Zimmern nach vorn raus hört man zwar bei geöffnetem Fenster den Straßenverkehr. Nach hinten raus ist es komplett ruhig. Beziehungsweise war es komplett ruhig – bis die neue U-Bahn kam.
Nun grummelt es im Takt des Fahrplans. Die Bahn fährt auf ihrem Weg von Jungfernstieg zum Überseequartier genau unter dem Haus Kornträgergang 21 hindurch. Das Grollen ist von morgens kurz vor 5 Uhr bis nach Mitternacht alle zehn Minuten zu hören und zu spüren. Dabei laufen die Gleise rund 40 Meter unter der Erdoberfläche entlang. Die Hochbahn, so die Anwohner, habe im Vorwege Lärmbelästigungen und Vibrationen aufgrund der Tiefe der Strecke ausgeschlossen.
Blech hat Glück, dass seine Wohnung weit oben im Haus liegt. Im Keller rollt das Geräusch der sich nähernden U-Bahn wie ein heftiges Gewitter heran. Im Erdgeschoss klappern die Schränktüren, und die Gläser klirren im Regal, erzählt Judith Kernt, die zu ebener Erde wohnt. „Das Dröhnen hört man überall gleich stark, egal wo man sich in der Wohnung aufhält“, sagt sie. Sie meint auch, das Geräusch sei mit der Zeit schlimmer geworden. „Vielleicht fährt die Bahn nach dem ersten Testbetrieb jetzt schneller?“
Hochbahnsprecher Christoph Kreienbaum erklärt, der Fahrbetrieb sei seit Dezember nicht verändert worden. Die Beschwerden habe man im Blick. Die Häuser seien während des Tunnelbaus durch permanente Messungen überwacht worden; dabei sei alles im grünen Bereich geblieben. Das, was jetzt im Kornträgergang auftritt, sei Sekundärschall - also Schall, der sich aufs Erdreich überträgt.
Kreienbaum: „Wir haben da-raufhin weitere Messungen durchgeführt. Die werden jetzt ausgewertet, ein Gutachten ist in Kürze fertig.““
Auf die Frage des Wochenblatts, was für Maßnahmen das Dröhnen in den Griff bekommen könnten, möchte der Hochbahn-Sprecher nicht antworten so lange das Gutachten nicht vorliegt: „Noch ist spekulativ, ob die Werte sich den vorgeschriebenen Grenzwerten annähern“.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.