Tut uns leid, wenns schief geht - wir schaffen es nicht mehr

Ist das Fliesch in Ordnung? Lebensmittelkontrolleure sind wichtig - sie prüfen die hygienischen Bedingungen in Supermärkten, Gaststätten und Großküchen.

Hilferuf aus dem Bezirksamt Altona - Bezirksamtsleiter meldet Überlastung an den Senat.

Jetzt wirds gefährlich. Altonas Bezirksamtsleiter Jürgen Warmke-Rose hat den Senat alarmiert: Er und seine Mitarbeiter können nicht mehr garantieren, dass Leib und Leben der Altonaer so geschützt werden, wie es geboten wäre. Warmke-Rose hat für die Bereiche „Lebensmittelkontrolle“ und „Hilfen zur Betreuung“ Überlastung angezeigt.
Damit gibt er die Verantwortung für eine seiner Meinung nach unhaltbare Lage ab und reicht sie eine Etage höher.
Altonas Lebensmittelkontrollleure besuchen nicht nur regelmäßig Geschäfte, Wochen- und Großmärkte, sondern reagieren auch „anlassbezogen“. Das heißt, sie rücken aus und sehen nach dem Rechten, wenn sie Meldung bekommen, dass es in einem Betrieb nicht hygienisch zugeht. Das klappt nicht mehr so, wie es sollte. Fast die Hälfte der vorgeschriebenen Lebensmittelkontrollen finden einfach nicht mehr statt. Bezirksamtssprecher Nils Fischer: „Wenn es blöd kommt, beispielsweise bei einem Salmonellen-Ausbruch, können wir bei der derzeitigen Lage nicht schnell genug feststellen, wo die Ursache liegt. Dann herrscht Gefahr für die Bevölkerung“.
In der Abteilung „Hilfe zur Betreuung“ kümmern sich Mitarbeiter um - meist ältere - Menschen, die zur Gefahr für sich selbst und andere werden können. Sie besuchen sie, beurteilen die Lage und versuchen, sie zu sichern. Fischer: „Das reicht vom Verordnen eines Herdes, der sich nach zwei Minuten ohne Topf auf der Platte selbst ausstellt, bis zur Entmündigung.“ Der Bereich Hilfen zur Betreuung ist organisatorisch für ganz Hamburg in Altona angedockt - das heißt, Altonas Überlastung wirkt sich auf die gesamte Stadt aus.
Eine Überlastungsanzeige droht auch dem schulärztlichen Dienst. An der Grenze ihrer Möglichkeiten befindet sich bekanntermaßen seit Jahren die Ausländerabteilung im Altonaer Rathaus. Bearbeitungsstaus und Überlastungsmeldungen einzelner Mitarbeiter sind im Rathaus Altona seit langem an der Tagesordnung.

Hintergrund
Im Bereich Hilfen zur Betreung verfügt Altona über 51 Stellen, die für ganz Hamburg zuständig sind. Mit den Jahren sind die Fallzahlen stetig gestiegen.
Im Bereich Lebensmittelkontrolle hat Altona acht Vollzeitstellen - laut Aussage des Bezirksamtssprecher Nils Fischer „auch so schon nicht viel“.
In beiden - und auch in anderen - Arbeitsbereichen ist es in den letzten Jahren zu Veränderungen der Gesetze gekommen, die mehr Arbeit zur Folge haben. Vom Senat werden immer neue Anforderungen an die Bezirksämter gestellt, ohne dass das zugehörige Personal mitgeschickt wird. Der massive Spardruck, der nun dazukommt und Stellenkürzungen erfordert, macht die Lage nicht besser. Fischer: „Wir könenn unseren gesetzlichen Auftrag nicht mehr erfüllen - das kann dramatische Folgen haben.“
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