Tut Altona genug für seine Kiebitze?

Durch den Kontrast zwischen schwarzer Oberseite mit grünlich schimmerndem Metallglanz und weißer Unterseite mit schwarzem Brustband sowie eine abstehende Federholle am Hinterkopf ist der Kiebitz unverkennbar. Die Kopfseite ist weißlich mit schwarzem Streif unter dem großen dunklen Auge. Foto: Olaf Fedder/NABU

Alle Bezirke haben Patentiere – aber nicht alle Paten sprühen vor Engagement

Von Olaf Zimmermann. Was gibt’s in jedem Hamburger Bezirk? Eine U-Bahn-
Station, ein Patentier oder einen weiblichen Ehrenbürger? Klare Sache: Antwort B ist korrekt: Seit 2008 haben alle Bezirke Patentiere. Keine Exoten wie Flamingo oder Löwe sondern einheimische Tiere: Kiebitz (Altona), Grasfrosch (Harburg), Sperling (Mitte) oder Großer Abendsegler (Eimsbüttel). Aber haben die Paten auch tatsächlich Maßnahmen zum Schutz der ihnen anvertrauten Tiere entwickelt? Oder ist alles nicht mehr als ein netter PR-Gag?
Das Elbe Wochenblatt hat bei den Bezirken nachgefragt und auch Experten vom NABU um deren Meinung gebeten.

Altona: der Kiebitz

Der Kiebitz ist seit 2008 Patentier des Bezirks Altona. Was genau hat der Bezirk seitdem für den Kiebitz getan? Wie viel Geld hat er seit 2008 für Fledermaus-Projekte aufgewendet? Welche Kiebitz-Projekte stehen 2017 auf dem Programm?
Die Antwort von Bezirks-amtssprecher Martin Roehl: „Seit dem Jahr 2008 bemüht sich das Bezirksamt, naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen, die bei Bauvorhaben erforderlich werden können, so zu leiten, dass diese möglichst in Gebieten umgesetzt werden, wo Kiebitze leben – so in den Rissen-Sülldorfer oder den Osdorfer Feldmarken.
Dort hat der Bezirk zum Schutz und zur Entwicklung von Kiebitzen mehrere Grünlandflächen in eine extensive Nutzung überführt und einige zeitweise trockenfallende Flachgewässer in diesen Grünlandflächen anlegen lassen. Auch der damit verbundene Verzicht auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Düngemitteln sowie wie eine verspätete Mahd der Flächen ist damit verbunden. Diese Maßnahmen erlauben es, dass die bodenbrütenden Kiebitze ihre Jungen ungestört großziehen können.
Da Kiebitze nur auf Flächen brüten die einen niedrigen Bewuchs aufweisen, ließ das Bezirksamt Altona seit 2012 eine brachgefallene Grünlandfläche in Rissen zunächst wieder mähen und seit diesem Jahr auch wieder mit Rindern extensiv beweiden. Durch diese Nutzung fanden sich im Frühjahr hier auch wieder Kiebitze ein.
Durch die Herstellung von zwei größeren Ausgleichsflächen in der Rissen-Sülldorfer Feldmark wurde seit 2012 der Bau der Othmarscher Höfe ermöglicht. Diese entstanden auf einer zuvor brachliegenden Fläche, auf der sich 13 Kiebitzpaare angesiedelt hatten.
Leider versuchten auch weiterhin einige Kiebitzpaare in dem mittlerweile fast vollständig bebauten Gebiet zu brüten, nun auf den Flachdächern der neuen Gebäude. Da die Jungvögel dort nicht überlebt hätten, entschied sich das Bezirksamt Altona in diesem Jahr dazu, die Gelege der dort brütenden Kiebitze abzusammeln.
Die Gelege wurden in einem Vogelpark an der Ostsee ausgebrütet und die Jungen bis zur Flugfähigkeit aufgezogen. Dadurch konnten in diesem Sommer 21 erfolgreich aufgezogene Kiebitzjunge in der Vogelbeobachtungsstation in der Wedeler Marsch beringt und freigelassen werden.“

Das sagt der NABU

„Die sind engagiert“. NABU-Experte Marco Sommerfeld lobt die Aktivitäten des Bezirks Altona für den Kiebitz.
Die Idee, Ausgleichsmaßnahmen für Bauvorhaben bewusst in Bereichen durchzuführen, in denen Kiebitze leben, habe sich bewährt. In der Rissener und Osdorfer Feldmark hätten sich deren Lebensbedingungen verbessert.
Durch den Bau der Othmarscher Höfe ging eine Fläche, auf der Kiebitze gelebt haben, verloren. „Aber die Rettungsaktion war sehr erfolgreich“, so Marco Sommerfeld. Dessen Fazit fällt dennoch düster aus: „Die Bestände befinden sich im freien Fall.“
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