Tschüss Jens, das war eine schöne Zeit mit Dir!

Karl-Heinz Gerhartz und Jens Möller
 
Frau Möller und Karl-Heinz Gerhartz
Hamburg: Reeperbahn |

Letzter Tag im Café Möller.

Letzter Tag im Café Möller an der Ecke Reeperbahn und Große Freiheit. Über Nacht verstopfte das Wasserrohr, und der Keller stand unter Wasser. Woher am Sonntag einen Klempner bekommen? Die Küche blieb zwar kalt, aber dafür war sie mit dem Kamerateam des NDR gefüllt, um über den letzten Tag von Jens Möller in seinem Café zu berichten. Das Café war voll besetzt, kaum ein Tisch war noch frei. Die Angestellten hatten jede Menge zu tun. Stammkunden kamen, um sich bei Herrn Möller zu verabschieden, um zu sagen: „Tschüss Jens, das war eine schöne Zeit mit Dir. Wir werden Dich vermissen.“
Es schien so, als ob jeder an Jens Möller herumzupfte, aber er blieb trotz schlafloser Nacht dem Stress gewachsen und freundlich.
Ich selbst habe mich an einen frei gewordenen Tisch, in der Nähe des nun leeren Aquariums, gesetzt und mir eine Tasse Kaffee bestellt. Zu gern hätte ich die zwei Goldfische gehabt, die vorher darin herumschwammen. Aber ein Stammkunde hatte das Vorrecht und ein großes Aquarium, in dem sie ein neues Zuhause gefunden haben.
Am Tisch gegenüber saß eine nette ältere Dame: die Mutter von Jens Möller, die an diesem Tag hin und wieder, so gut sie konnte, hinter der Theke aushalf. Frau Möller erzählte mir ein wenig aus der Vergangenheit des Café Möller und blickte wehmütig zurück. Es sorgt sie, was denn nun aus den Angestellten wird, schließlich sei man in den vielen Jahren wie eine Familie zusammengewachsen. Ein Herr hatte sich zu Frau Möller hinzugesetzt. Es handelte sich um einen ehemaligen Angestellten, Karl-Heinz Gerhartz, der im Café Möller, noch sehr jung, 1971 seinen Meister gemacht und bis 1976 dort gearbeitet hatte.
Gemeinsam schwärmten sie über die schönste Zeit im Jahr, die Weihnachtszeit. Denn zu dieser Zeit hatte Senior Möller alte Lebkuchenrezepte herausgekramt und für die Weihnachtsbäckereien verwendet. Karl-Heinz erinnerte sich sehr gern an seinen Chef zurück, der ihm geholfen hatte, wo er nur konnte. Eine der Angestellten kam hinzu und zeigte uns noch ein paar alte Fotos vom damaligen Café Möller.
Mit übermüdeten Augen hatte sich Jens Möller zu mir gesetzt, und ich konnte ihn fragen, wann er denn das Café räumen muss. „Das muss sehr schnell gehen“, sagte er, „ein Entrümpelungsdienst wird in den nächsten Tagen alles entsorgen. Nur nicht die schönen Fotos der Beatles, die wird ein Herr Schulz bekommen, der damals für den Star Club und das Indra als Kellner gearbeitet hatte. Der sorgte auch damals dafür, dass die noch unbekannten Beatles im Keller des Indra für ein paar Tage einen Schlafplatz bekamen, weil die wenigen Hotels, die es gab, ausgebucht waren."
„Was wird denn aus ihrer Backkunst, Herr Möller, wird es bei Ihnen zu Hause weiterhin leckere Torte geben?“, fragte ich scherzhaft nach. Nach 35 Jahren Vollbeschäftigung habe er 20 Torten in der Woche hergestellt, das müsse erst einmal reichen.
Nachdem ich mich verabschiedet habe, bekam ich als Andenken eine der Speisekarten geschenkt. Sie wird mich immer an das Café Möller am Beatles-Platz erinnern.
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