Trinken, paddeln oder protestieren

Licht-Botschaft auf dem Dach der Roten Flora am Schulterblatt: No G20 – also kein G20-Gipfel. Foto: joto

G20-Gipfel im Sommer: Wie Hamburger ihre Meinung zur Weltpolitik ausdrücken können

Carsten Vitt, Karolinenviertel

Was auch immer Hamburger vom G20-Gipfel in ihrer Stadt halten mögen: Das Treffen der einflussreichsten Industrienationen der Welt bringt die Stadt in Bewegung. Wenn Anfang Juli in den Messehallen ein kleines bisschen Weltpolitik gemacht wird, sind in der Innenstadt und den umliegenden Vierteln voraussichtlich Zehntausende Menschen auf den Beinen, um zu demonstrieren. Ein Großteil wird friedlich bleiben, es werden aber auch gewalttätige Teilnehmer erwartet. Ein Überblick.

In der Woche vor dem Gipfel plant ein Aktionsbündnis aus Umweltschutzverbänden, Gewerkschaften und Bürgerrechtsvereinen eine „Protestwelle“ mit Aktionen in der Innenstadt und einem Bootskorso auf der Alster. Am Sonntag, 2. Juli, geht es um 12 Uhr am Rathausmarkt los. Ziel der Demo soll das Tagungsgelände in den Messehallen sein. Unterstützer sind unter anderem Greenpeace, der BUND, Campact, der DGB Nord und Mehr Demokratie.
Ausrichtung: Demokratisch, solidarisch, friedlich.
❱❱ www.g20-protestwelle.de


Mit einem Gegengipfel auf Kampnagel und vielen Aktionen wollen linke Gruppen ihren Protest in die Stadt tragen. Es gibt unter anderem eine Demo am Vorabend des Gipfels (6. Juli), eine Klima-Aktion im Hafen, Blockade-Versuche rund um das Messeglände werden vorbereitet. Die Abschlusskundgebung am Sonnabend, 8. Juli, soll von der Moorweide bis zum Heiligengeistfeld führen, bisher lehnt die Stadt den Veranstaltungsort aber noch ab.
Ausrichtung: Solidarisch, aktionistisch, teilweise gewaltbereit.
❱❱ www.g20hamburg.org

Eine Internetkampagne ruft Hamburger dazu auf, ihre Meinungen und Forderungen zum G20-Gipfel zu äußern. „Haltung.Hamburg“ heißt die Kampagne von Nikolas Hill, ehemaliger Kulturstaatsrat, und Thorsten Kausch, ehemals Marketingleiter. Sie wollen „an den kritischen, weltoffenen und toleranten Geist“ der Bürger appellieren und bis zum Sommer eine Million Hamburger erreichen.
Ausrichtung: Überparteilich, friedlich, bürgerlich.
❱❱ www.haltung.hamburg


G20

G20 ist ein Zusammenschluss der größten Industrie- und Handelsnationen, der möglichst gemeinsame Positionen unter anderem in der Wirtschafts-, Umwelt und Flüchtlingspolitik zum Ziel hat. Der „Gruppe der Zwanzig“ gehören 19 Staaten sowie die Europäische Union an. Die Länder sind: Argentinien, Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika, Südkorea, Türkei und die USA. In Hamburg werden am 7. und 8. Juli etwa 6.000 Delegierte und über 3.000 nationale und internationale Journalisten erwartet. Kritik an dem Treffen gibt es unter anderem wegen massiver Sicherheitsvorkehrungen und Kosten in dreistelliger Millionenhöhe.

Aktionskonferenz
Zur Vorbereitung von Aktionen treffen sich am Wochen-ende Gipfel-Gegner zu einer Konferenz im Millerntor-Stadion des FC St. Pauli. In Workshops wollen die Teilnehmer gemeinsame Positionen und Mittel des Protests diskutieren und ausloten. Am Sonnabend ist ab 19 Uhr eine Demonstration vom Stadion zu den Messehallen geplant.

Mexikaner
Trinken gegen Trump: Die bisher humorvollste Protestform haben Bewohner von St. Pauli erfunden. In vielen Kneipen können Kiezgänger den scharfen Tomatenschnaps Mexikaner kippen und damit die Proteste gegen den G20-Gipfel unterstützen. Es ist eine Anspielung auf Donald Trumps Pläne, eine Mauer gegen mexikanische Einwanderer zu bauen.
An der Solidaritätsaktion beteiligen sich mittlerweile bundesweit Kneipen, Soli-Mexikaner gibt es aber auch in Barcelona oder Kopenhagen zu trinken.
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