„Totenköpfe? Das geht gar nicht!“

Gisela Vecker lebt und arbeitet seit Jahrzehnten in Ottensen. 1987 eröffnete sie „Secret Emotion“. Jetzt schließt sie den Kultladen an der Bergiusstraße: „Die Zeit ist vorbei.“

Von der EU-Kosmetikverordnung in die Knie gezwungen: Gisela Vecker schließt „Secret Emotion“ zum 30. April

Ende, aus. Ein weiteres Ottensener Kultgeschäft schließt seine Türen für immer. Wieder verliert der Stadtteil ein Stückchen Originalität, Atmosphäre, eine besondere Duftnote.
Das mit der Duftnote ist wörtlich gemeint, denn das Geschäft, um das es geht, ist Secret Emotion – Paradies der ätherischen Öle, der Düfte und Aromen, der natürlichen  Kosmetik. Zusammen mit einem Schuss Esoterik, einem Hauch von Indien, Orient und Hippie-Nostalgie eine verführerische Mischung, die Gisela Vecker (56) in Ottensen seit 1987 zusammenbraut. Secret Emotion versprach über Jahrzehnte Streicheleinheiten für Geist, Seele und Haut. Damit wirkte der Laden auf Frauen wie Licht auf Motten, ob in der Bahrenfelder Straße oder seit 2011 in der Bergiusstraße.
Vorbei. Am 30. April ist letzter Tag bei Secret Emotion. Grund ist, so Gisela Vecker, die neue EU-Kosmetikverordnung: „Allein 50 allergene Stoffe muss man heute schon angeben – und es werden noch mehr. Früher tat es ein Infoblatt, heute muss alles direkt auf den Fläschchen mit ätherischen Ölen deklariert werden. Das bedeutet: ellenlange Rolletiketten.“
Vecker weiter: „Dazu müssen wir unsere ätherischen Öle mit Totenkopf kennzeichnen. Das, was ich lebe und liebe, mit einem Totenkopf markieren? Das kann ich nicht!“
Von bürokratischen Zwängen so in die Zange genommen, reagiert sie konsequent und schließt den Laden. Ohne Tränen: „Ich gehe nicht traurig. Die Zeit ist vorbei.“
Wie gehts weiter? Vecker, langbeinig, langhaarig und mit der Figur eines Models gesegnet, lacht: „Ich bin eine Muse. Und da heute keiner mehr an Musen glaubt, müssen die für sich selbst sorgen.“
Das wird sie tun. Man wird noch von ihr hören in Ottensen und drüber hinaus: Vecker wird ihr Wissen in Seminaren und Kursen weitergeben. Sie arbeitet an einem Buch. Und lebt weiter nach dem Motto, das sie bisher erfolgreich getragen hat: „Als Freigeist und mit Freude wurde immer mehr geschafft als mit sämtlichen Regeln. Und wer das Leben zu sehr kontrolliert, übersieht die glücklichen Fügungen.“
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1 Kommentar
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isabell schuck aus Altona | 12.04.2014 | 22:59  
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