Tödliche Gefahr im Hochhaus

Betroffene Mieter vor ihrem Zuhause: Mathias Wichmann, Stefan Weber und Dirk Bunte (v. li.). (Foto: cvs)

Trotz Asbest-Gutachten wird im Niebuhr-Haus weitergearbeitet

Von Christopher von Savigny.
Zum Treffen mit dem Wochenblatt hat Mathias Wichmann einen dicken Aktenordner mitgebracht. Darin befindet sich, säuberlich abgeheftet, der Schriftwechsel mit der Immobilienfirma Excelsior, mit dem Bezirksamt und mit anderen offiziellen Stellen. Außerdem eine Reihe von Gutachten, die beweisen, dass Wichmanns Wohnhaus an der Reeperbahn 157 asbestbelastet ist. „Ich habe noch zwei Ordner zu Hause“, sagt Wichmann.
Wenige Tage, nachdem die Bauprüfabteilung des Bezirksamts Mitte eine verschärfte Anordnung bezüglich der Asbestbelastung im „Niebuhrhaus“ verschickt hat, sind die behördlichen Siegelplaketten an den Wohnungstüren verschwunden. Offenbar hält das Amt die neue Vorschrift jetzt für ausreichend. In einer der Wohnungen wird derzeit fachmännisch Staub abgesaugt, in den anderen finden Aufräumarbeiten statt. Stefan Weber, ebenfalls Mieter im Niebuhrhaus, ist dennoch auf der Hut. „Wir wissen nicht, ob alles ordnungsgemäß abläuft“, sagt er. „Deshalb gehen wir rum und passen auf.“
Das 1971 erbaute und 16 Geschosse hohe Haus hat ein Asbestproblem: Dies hatte eine im Oktober vom Bezirksamt in Auftrag gegebene Untersuchung ergeben. Der neue Besitzer des Gebäudes, die Excelsior GmbH, ist dabei, einzelne, leer stehende Wohnungen zu verkaufen. Acht davon sind bereits weg. Nachdem zu Sanierungsbeginn Ende 2010 der Verdacht aufgekommen war, dass bei der Arbeit krebserregende Stoffe freigesetzt werden, gründeten die Bewohner eine Mieterinitiative und ließen Gutachten auf eigene Kosten anfertigen. Ergebnis: Nicht nur Bodenbeläge und Balkonbrüs-tungen sind verseucht, sondern auch – so die neuesten Messungen – Fensterbänke, Fensterkitt und Fliesenkleber. Das Amt hat die Resultate bestätigt: „Solange kein neues Gutachten erbracht wurde, darf an diesen Stellen nicht gearbeitet werden“, sagt Bezirksamtssprecher Lars Schmidt-von Koss.
Der Mieterinitiative geht die Anordnung noch nicht weit genug. Erstmal solle das Niebuhrhaus von oben bis unten durchgecheckt werden: „Wir fordern ein Asbestkataster für das ganze Haus“, sagt Weber. Die Excelsior GmbH war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
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