Teure Musik .... St. Pauli trägt Schwarz

Symbolische Beerdigung: Sympathisanten legten Kränze ab.

Demo: Anti-Gema-Initiative beerdigte Kiezkultur.

Von Christopher von Savigny. St. Pauli trägt seine Clubkultur zu Grabe: Zu den Klängen des Trauermarsches von Frederic Chopin demonstrierten letzte Woche rund 300 Kiezgas-tronomen, Clubbetreiber und Sympathisanten gegen die Tarifreform der Gema.
Schwarz gekleidete Teilnehmer trugen einen Sarg mit dem Namen der Protestinitiative „gemastoppen.de“ über den Spielbudenplatz, bevor sie ihn auf einem symbolischen Erdhügel an der Ecke zur Davidstraße ablegten. Protestbanner zeigten Parolen wie „Stoppt die Gema!“ und „Der Kiez ohne Musik ist wie Sex ohne Frauen“. Travestiekünstlerin Olivia Jones, selbst ernannte „Bürgermeisterin von St. Pauli“, nahm eine Unterschriftenliste entgegen. Sie werde die Liste umgehend an Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz weiterleiten, gab Jones bekannt.
Die Gema („Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“) fungiert als Treuhänderin für Textdichter und Komponisten. In deren Auftrag zieht sie Lizenzgelder von Clubs, Bars und Diskotheken ein. Anfang des Jahres hatte die Gema eine umfassende Tarifreform angekündigt. Aus bislang elf Tarifen sollen ab April 2013 zwei werden: Einer davon betrifft Veranstaltungen mit Livemusik, der andere DJ-Veranstaltungen. Die Gema argumentiert, dass viele Clubs dadurch Geld sparen könnten.
Laut Initiative ist das Gegenteil der Fall: Einige Gastronomen müssten statt 20.000 Euro pro Jahr künftig 200.000 Euro bezahlen, andere kämen vielleicht etwas glimpflicher davon. Als Folge drohe ein Clubsterben. „Die Gas-troszene St. Paulis wäre schon ein Jahr nach der Gebührenerhöhung vermutlich nicht mehr wiederzuerkennen“, so der Protestaufruf.
Christian Engel, Geschäftsführer der Diskothek „Halo“ in der Großen Freiheit, würde ab dem nächsten Jahr 70.000 Euro berappen müssen – statt wie bisher 13.000 Euro. „Das ist kaum zu kompensieren“, sagt Engel. Man könne zwar die Eintrittspreise erhöhen - doch dadurch steigen wiederum die Gema-Gebühren an. Zweite Möglichkeit: Die Getränke werden teurer. „Dabei stellt sich die Frage, ob der Gast so etwas mitmachen würde“, so Engel.
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