Suchthilfe-Einrichtung: Nicht beliebt, aber benötigt

Das Angebot des „Stay Alive“ umfasst unter anderem Konsumräume, in denen unter Aufsicht Drogen konsumiert werden können. Bei falscher Dosierung sind geschulte Mitarbeiter zur Stelle. Zusätzlich können hier alte Spritzen gegen neue eins zu eins kostenlos getauscht werden.

„Stay Alive“ und „ABC“ eröffnen in der Virchowstraße.

Von Aimée Polzin.
Saubere Spritzen, medizinische Versorgung und Beratung – das finden Drogenabhängige seit kurzem in der Virchowstraße 15, in einer umgebauten ehemaligen Gewürzmühle. „Stay Alive“ zog aus Räumen in der Davidstraße, die zu klein geworden waren, an die neue Adresse um. Am vergangenen Donnerstag wurden die neuen Räume feierlich eingeweiht.
Angeboten wird Hilfe zum Überleben, zur sozialen Stabilisierung und zum Ausstieg aus der Sucht. Sinnvoll verknüpft wurde das „Stay Alive“ mit dem Behandlungscenter „ABC“ (vorher in der Großen Bergstraße), das den schon gefestigteren Betroffenen bei der Wohnungssuche und der Eingliederung hilft. Das „ABC“ befindet sich im gleichen Haus, ein Stockwerk über dem „Stay Alive“.
Beide Einrichtungen gehören dem Träger Jugendhilfe e.V. an. Rund die Hälfte der (Ex-)Süchtigen, die zum „Stay Alive“ kommen, ist obdachlos. Sie können hier duschen, ihre Wäsche waschen, in der Kleiderkammer Neues erstehen und sehr preiswert essen. Tobias Arnold, Leiter des „Stay Alive“, erklärt: „Viele Menschen müssen wir überzeugen, dass Essen wichtig ist. Das Geld geben die meisten nämlich nur für Drogen aus.“
In Konsumräumen dürfen unter Aufsicht Drogen konsumiert werden. Alte Spritzen können kostenlos gegen neue getauscht werden. Zweimal wöchentlich wird ärztliche Versorgung angeboten.
Nicht alle jubelten über den Umzug. Vor zwei Jahren stellte sich ein Bürgerbegehren von Anwohnern und Gewerbetreibenden gegen die Einrichtung stellte. Zwei Nachbarn reichten Zivilklage ein. Eine wurde abgeschmettert, die andere endete in einem Vergleich. Die meisten Menschen sagen zwar „tolle Arbeit, aber wir wollen so eine Einrichtung hier nicht haben“, so Arnold enttäuscht.
Anwohnerin Kücük Meryem (57) sagt: „Eine Beratung ist gut. Allerdings kann ich auch die Bürger verstehen, die sich Sorgen um ihre Kinder machen.“ Anwohnerin Hannelore Mertens (67) zeigt Verständnis: „Irgendwo müssen auch die versorgt werden. Das ist doch schon traurig genug. So ist das nun mal.“
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