Streit um orthopädische Schuhe

In ihrer Wohnung in der Neustadt: Heide-Marie Pervölz mit den alten orthopädischen Straßenschuhen. Foto: mg

Heide-Marie Pervölz’ Antrag auf
neue Straßenschuhe vor dem Sozialgericht abgelehnt

M. Greulich, Neustadt

Als ihre orthopädischen Schuhe kaputtgingen, begann für Heide-Marie Pervölz (72) ein Papierkrieg mit ihrer Krankenkasse und zuletzt sogar mit dem Sozialgericht. „Mit meinen deformierten Füßen komme ich in normale Schuhe nicht hinein und kann darin nicht beschwerdefrei laufen“, sagt die Rentnerin, die in der Neustadt wohnt und deren Ehemann Karl-Heinz erfolgreich einen Stuhl mit Aufstehhilfe vor Gericht erkämpft hatte (das Elbe Wochenblatt berichtete).

Für die Krankenkasse „keine eindeutige Diagnose“

Von ihrer damaligen Kasse, der DAK, waren die Schuhe vor fünf Jahren anstandslos bezahlt worden. Neue Schuhe kosten nun 2.129,68 Euro, weil es sich um eine Maßanfertigung handelt. Der behandelnde Orthopäde verordnete ihr im Oktober 2016 dennoch ein Paar, da eine „ausgeprägte Fußfehlstatik“ vorliege.
Für Pervölz’ Krankenkasse, die Deutsche BKK, die sich zum Jahresbeginn mit der Barmer zusammengeschlossen hat, keine eindeutige Diagnose. Sie ließ den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) prüfen. Anhand von Fotos urteilten die Mediziner: Es handele sich um „Knick-Spreiz-Senkfüße“, für die orthopädische Einlagen ebenso zweckmäßig aber wirtschaftlicher seien. „Wir wollen Frau Pervölz nichts Böses, aber das ist der gesetzlich vorgeschriebene Weg“, sagt Torsten Nowak, Sprecher der Barmer über das Verfahren.
Pervölz erhoffte sich Hilfe vom Sozialgericht. Weil eine Entscheidung Jahre dauern kann, versuchte sie im Eilverfahren neue Schuhe zu bekommen. Die Sozialrichter lehnten das ab: „Es ist Frau Pervölz zumutbar weitere medizinische Ermittlungen abzuwarten.“ Solange nicht geklärt sei, ob sie einen Anspruch auf orthopädische Maßschuhe habe, könne sie bequeme und gut sitzende Komfortschuhe mit Einlagen tragen.
Heide-Marie Pervölz will sich das nicht gefallen lassen. Sie hat Beschwerde beim Landessozialgericht eingelegt und weitere ärztliche Gutachten angefordert.
In einem, das erst nach der Entscheidung des Sozialgerichts vorlag, heißt es sehr deutlich: „Da die Patientin schon seit 2006 mit orthopädischen Schuhen versorgt ist, würde eine Umstellung auf ,normale Einlagen’ zu einer rascheren, weiteren Deformation des Fußes führen. Mit Folgeschäden, wie zunehmender Beeinträchtigung der Gehfähigkeit, ist somit zu rechnen.“
Vor diesem Hintergrund findet Pervölz die Ablehnung der Schuhe „ein Unding“. Hinzu kommt, dass es mitunter teuer werden kann, sich zu wehren: „Von meiner kleinen Rente muss ich jetzt Gerichts- und Rechtsanwaltskosten zahlen“, sagt sie. Der Grund: Ihr Antrag auf Prozesskostenhilfe wurde abgelehnt.
Noch gibt es die geringe Hoffnung, dass sich das Verfahren um ein Paar Schuhe nicht noch monate- oder jahrelang hinziehen wird: Der Widerspruchsausschuss der Krankenkasse muss noch entscheiden. Darin sitzen auch Versicherten-Vertreter des Verwaltungsrates der Kasse.
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