Straße in Altona nach NSU-Opfer Süleyman Tasköprü benannt

Ali Tasköprü legte eine weiße Nelke am Fuß des Straßenschildes nieder, auf dem der Name seines ermordeten Sohne steht. Foto: ch
 
Süleyman Tasköprü wurde mit 31 Jahren von Rechtsextremisten erschossen. Foto: pr

Teil der Kohlentwiete heißt jetzt Tasköprü-Straße

Von Christiane Handke-Schuller. Vor 13 Jahren wurde der Altonaer Gemüsehändler Süleyman Tasköprü das dritte Opfer der terroristischen rechten Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund NSU. Tasköprü war 31 Jahre alt, Vater einer dreijährigen Tochter. Am Donnerstag letzter Woche wurde ein Straßenschild enthüllt: Die Kohlentwiete zwischen Stresemannstraße und Kühnehöfe/Süd heißt jetzt nach ihm Tasköprüstraße.
Die Familie des Ermordeten war bei der Einweihung der Straße dabei, auch Ali Tasköprü, der seinen sterbenden Sohn damals fand. Gefasst wirkt der Vater bei der Veranstaltung zum Gedenken an seinen Sohn. Bei der Mutter dagegen, Hatice Tasköprü, scheint das Leid jedesmal von Neuem aufzubrechen, wenn sie an ihren Jungen erinnert wird. Suleymans Bruder Osman, zum Zeitpunkt des Mordes 23 Jahre alt, sieht seine Mutter ungern im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, auch wenn die vielen hochrangigen Gäste sich ihr mit Respekt nähern: Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Grünen, neigt vor ihr den Kopf, küsst ihr die Hand. Der Sohn sagt leise: „Jetzt ist es genug, sie ist krank“, lotst sie behutsam weg aus der Gruppe.
Auch Osman Tasköprü scheint den Schicksalsschlag von vor 13 Jahren immer noch nicht fassen zu können. Hilflos fast sagt er zur Wochenblatt-Reporterin: „Wir waren doch, ich bin doch Altonaer...“.
Sie gehörten dazu. Doch die Mörder waren blind dafür, sie sahen nur Ausländer. Und als der Mord geschehen war, gehörten die Tasköprüs tatsächlich nicht mehr dazu. Weil Polizei und „die Leute“ glaubten, die Familie habe diesen Tod irgendwie selbst zu verantworten. Zehn Jahre lang. „Wir wurden behandelt wie Täter“, sagt der Bruder.
Eine solche Ungerechtigkeit kann ein Straßenschild nicht ungeschehen machen. Aber es hilft, und wenn nur, wie Staatsminis-terin Aydan Özuguz bei der Enthüllung des Straßenschildes sagte: „als demütige Geste gegenüber einer Familie, die aufgrund ihrer Herkunft verdächtigt wurde.“

Schwierige Sache: Bisher gibt es neben der Altonaer Tasköprüstraße nur noch den Halitplatz in Kassel, die nach NSU-Opfern benannt sind.
Die Benennung einer Straße nach Süleymann Tasköprü ging nicht ganz ohne Schwierigkeiten ab. Die Familie Tasköprü selbst hätte am liebsten die Schützenstraße - wo sich ihr Gemüsegeschäft befand und wo Süleyman ermordet wurde - nach dem Sohn benannt. Das wurde aus „historischen Gründen“ abgelehnt - ging wohl aber auch deshalb nicht, weil die Schützenstraße sehr viele Anwohner hat und man eine Klagewelle befürchtete.
Die Bezirksversammlung hatte ursprünglich beschlossen, einen Teil der Kühnehöfe nach dem ermordeten Kaufmann zu benennen. Doch nach der Veröffentlichung dieser Entscheidung gab es viele Proteste, und es wurde auch hier mit Klagen gedroht.
Also die Kohlentwiete: Dort gibt es faktisch nur einen Anlieger, den Großmarkt FEGRO. Der firmierte dieses Frühjahr ohnehin um und startete mit neuen Namen: SELGROS. Innerhalb der aufwendigen Neuorganisation im Zuge der Umfirmierung machte ein neuer Straßenname in der Adresse keine Probleme.
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