Stell dir vor, es brennt und keiner kommt hin...

Falschparker behindern die Feuerwehr und gefährden damit Menschenleben.

In einem nächtlichen Einsatz von 22 Uhr bis 3 Uhr morgens sind Polizei- und Feuerwehrbeamte mit einem ausrangierten Feuerwehrfahrzeug durch die engen Straßen von Altona- Altstadt und Ottensen gekurvt. Ihr Ziel: Herauszufinden, ob die Straßen Platz genug bieten, um so schnell wie möglich an den Einsatzort zu kommen, wenn es brennt. Die bittere Erkenntnis: Das Feuerwehrauto kommt nicht durch. Nicht weil die Straßen zu eng sind. Sondern weil immer wieder und überall verbotswidrig geparkt wird. Das Wochenblatt sprach mit PolizeioberkommissarinTina Schuldt, die dabei war.

 
Wo genau wurde kontrolliert?  Und wie? Wann war das? Wie lang dauerte die Aktion?

Am Montag den 26.01.2015 wurde mit drei Beamtinnen des PK 21 in der Zeit von 22:00 Uhr bis 03:00 Uhr die Aktion „Freie Fahrt für die Feuerwehr“ durchgeführt. Bei dieser Aktion ging es darum, zu überprüfen, ob Rettungswege durch geparkte Fahrzeuge blockiert werden. Die Polizei- und Feuerwehrbeamten stellen immer wieder fest, dass falsch geparkte Fahrzeuge die Anfahrt zu den Einsatzorten behindern. Bei der Aktion am Montag sind wir deshalb in Begleitung zweier Kollegen der Feuerwehr mit einem ausrangierten Feuerwehrfahrzeug, einem so genannten HLF, durch die Stadtteile Altona-Altstadt und Ottensen gefahren. An einigen Örtlichkeiten konnte das HLF aufgrund von verbotswidrig geparkten Fahrzeugen nicht oder nur nach mehrmaligem Rangieren vorbeifahren. Im Ernstfall hätte das wertvolle Sekunden oder gar Minuten für Rettungsmaßnahmen gekostet. Diese falsch geparkten Fahrzeuge wurden dann kostenpflichtig abgeschleppt.

Wie viele Kfz-Halter wurden verwarnt? Mit Bußgeld? Ohne Bußgeld?

Es ging bei dieser Aktion nicht hauptsächlich darum, den ruhenden Verkehr zu überwachen und so genannte „Knöllchen“ zu verteilen. Vielmehr sollten die Anwohner auf die Situation der zugeparkten Rettungswege aufmerksam gemacht und sensibilisiert werden. Aus diesem Grunde wurden auch nicht alle Verkehrsordnungswidrigkeiten geahndet, sondern nur solche, die im Zusammenhang mit dem Freihalten von Rettungswegen standen. Insgesamt wurden 33 Ordnungswidrigkeiten kostenpflichtig geahndet. Die meisten der Falschparker standen weniger als fünf Meter vom Einmündungsbereich entfernt oder die Restfahrbahnbreite von drei Metern war unterschritten. Das sind oft die Hauptgründe, warum die Feuerwehr bei der Anfahrt zum Einsatzort Probleme bekommt.
Einige Fahrer, die noch rechtzeitig an ihrem Fahrzeug erscheinen und es wegfahren konnten, wurden nach einem kurzen Gespräch gebührenfrei verwarnt.

Wie viele Autos wurden abgeschleppt?

Von den 33 geahndeten Ordnungswidrigkeiten mussten insgesamt 20 Fahrzeuge umgesetzt, also abgeschleppt werden, da diese konkret die Durchfahrt des HLF behinderten oder sogar unmöglich machten. 11 Fahrzeuge wurden in Altona-Altstadt abgeschleppt und 9 in Ottensen.

Gab es Reaktionen von Umstehenden und Anwohnern? Wie waren die ?

Die Reaktionen der Menschen auf diese Aktionen sind grundsätzlich sehr unterschiedlich. Viele Anwohner finden die Aktionen gut, insbesondere wenn man ihnen die Maßnahme erklärt und ihnen dann bewusst wird, dass es im Zweifelsfall auch um ihre eigene Rettung gehen könnte. Andere wiederum, auch einige der betroffenen Fahrzeughalter, sind weniger verständnisvoll und wollen / können die Gründe nicht nachvollziehen. Diese interessiert dann, was für Kosten auf sie zukommen. Das ist natürlich schade, denn dann kann man davon ausgehen, dass diese Menschen die Problematik und den Grund dieser Aktion nicht verstanden haben.

Diese Aktion wird von Feuerwehr und Polizei ja regelmäßig wiederholt. Haben Sie das Gefühl, die Leute lernen daraus? 

Ob wirklich ein Lerneffekt dadurch erzielt wird, ist für uns eher schwer festzustellen bzw. zu belegen. Dafür müsste man die Aktionen vermutlich öfter durchführen und könnte dann anhand der konkreten Zahlen Rückschlüsse ziehen. Dies wäre zwar wünschenswert, ist aber leider aufgrund der Vielzahl der polizeilichen Aufgaben nicht möglich.
Im Vorwege der Aktionen verteilen wir auch immer Flyer, mit der Bitte um rücksichtvolles Parken in den betreffenden Gebieten. Mein Eindruck ist schon, dass einige Autofahrer ihr Parkverhalten daraufhin hinterfragen und etwas mehr darauf achten. Insbesondere die Fahrer, deren Fahrzeuge schlussendlich umgesetzt wurden, werden hoffentlich daraus lernen.
Ich denke bzw. hoffe auch, dass viele Autofahrer und -fahrerinnen gar nicht unbedingt aus bloßer Rücksichtslosigkeit falsch parken, sondern einfach schlecht einschätzen können, wie viel Platz so ein Rettungswagen, ein HLF oder ein Leiterfahrzeug der Feuerwehr benötigen. Deswegen ist man in jedem Fall auf der sicheren Seite, wenn man sich an die gesetzlich vorgegebenen fünf Meter im Einmündungsbereich und an die drei Meter Restfahrbahnbreite hält.

Was würde nach Ansicht der Polizei helfen, die Parksituation vor Ort zu entspannen?

Das ist natürlich schwierig. Das Problem in Stadtteilen wie Altona-Altstadt und Ottensen ist, dass sie durch eine recht enge Bebauung und viele Altbauten ohne Tiefgaragen gekennzeichnet sind. Da jeder Anwohner gerne möglichst nah an seiner Wohnanschrift parken will, ist die Parksituation dort oft und gerade nachts chaotisch. Zugegebener Maßen ist es zu bestimmten Zeiten sicher auch schwierig, überhaupt einen „legalen“ Parkplatz dort zu bekommen. Um die Parksituation zu entspannen, wären bezahlbare Tiefgaragenstellplätze in der Nähe sicher hilfreich. Ein gut ausgebauter ÖPNV ist sicherlich auch förderlich, damit die Menschen nicht auf ihre Fahrzeuge angewiesen sind. Das liegt aber leider beides nicht in den Händen der Polizei. Konkret kann die Polizei zurzeit lediglich mit Augenmaß den Parkraum überwachen und ggf. durch Aktionen wie die vom Montag die Autofahrer sensibilisieren. Des Weiteren ist die Straßenverkehrsbehörde, welche sich ebenfalls bei uns am PK 21 befindet, jederzeit für Beschwerden und Anregungen der Anwohner offen und prüft dann, welche polizeilichen Maßnahmen getroffen werden können.

Gab es eine Situation/ eine Geschichte, die Sie als besonders dramatisch/lustig/typisch empfanden? Erzählen Sie sie kurz?

Bemerkenswert (und leider auch nicht untypisch) war am Montag die Reaktion eines Fahrers, dessen Fahrzeug eigentlich umgesetzt werden sollte. Dieser hatte seinen PKW mitten im Kreuzungsbereich abgestellt und blockierte zusätzlich noch den kompletten Gehweg. Er sagte dazu, er habe höchstens fünf Minuten dort gestanden, obwohl wir schon fast 15 Minuten vor Ort waren. Der Fahrer des HLF musste einige Minuten um das falsch geparkte Fahrzeug herumrangieren. Der Mann erklärte uns, im Falle eines Rettungseinsatzes hätte er schon seinen Wagen rechtzeitig weggefahren und uns „ginge es ja grundsätzlich eh nur um das Geld“. Diesen Fahrer haben wir übrigens dann aufgrund seiner Uneinsichtigkeit auch nicht gebührenfrei verwarnt.
 
 
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