Sportfan mit 87: „Mir macht das Laune“

Alexander Reiser und seine Sport-Urkunden - im Moment arbeitet er an der achten.

Es ist nie zu spät, um mit Sport anzufangen ­– Alexander Reiser ist das beste Beispiel.

Von Miriam Roersch.
Schlank ist er, hat hellwache blaue Augen. Alexander Reiser, in sportlicher Trainingsjacke und Laufhose, sieht aus, wie jemand, der gern aktiv ist. Ein Hörgerät trägt er, bekommt dreimal die Wochen Spritzen, sein Eiweißwert ist zu hoch. Das hindert ihn nicht: Jeden Mittwoch trainiert er für sein nächs-tes Sportabzeichen. Sieben hat er, dieses Jahr kommt das achte dazu. Kaum zu glauben, dass dieser drahtige Mann mit dem verschmitzten Grinsen am 24. August seinen 87. Geburtstag feiert.
Reiser verschrieb sich dem Sport, als seine Frau starb. Da war er 80. „Ich war allein, irgendwas musste ich ja machen.“ Zum Judo, der Sportart, mit der er vor einem Vierteljahrhundert aufgehört hatte, wollte er nicht zurück: „Der Weg zum Training war mir zu weit.“ Also sattelte er um. Der Dienstsportstützpunkt Deutsches Sportabzeichen der Polizei Hamburg ist seine neue Heimat. „Als ich anfing, hat es in meinem linken Knie gezwiebelt und gezwackt.“ Kein Wunder, ist der ehemalige Maurer am selbigen schon operiert worden, genauso wie an der Bandscheibe, einem Ellbogen und dem linken Ohr. „Ich habe einfach weitergemacht“, sagt der alte Herr mit dem trockenen Humor. „Jetzt sind meine Knie besser.“
Ganz unfit war der Rentner aber schon vorher nicht. Zehn Jahre lang fuhr Reiser jeden Morgen mit dem Fahrstuhl die sieben Stockwerke von seiner Wohnung zum Briefkasten hinunter. Mit der Post in der Hand trabte er die 125 Treppenstufen wieder hinauf. Vor einem Jahr erst war damit Schluss. Oder doch nicht? „Im Moment bin ich gezwungen, der Fahrstuhl ist kaputt.“ Er grinst schelmisch.
Für sein aktuellstes Sportabzeichen ist er 3.000 Meter gelaufen, 30 Meter gesprintet und hat sich Hochsprung sowie Kugelstoßen ausgesucht. „Ob ich es schaffe oder nicht, ist mir eigentlich egal“, erklärt er, während er auf seine Urkunden - Bronze, Silber, einmal sogar Gold – blickt. „Hauptsache, ich bin dabei.“ Die Kameradschaft und der Kontakt zu seinen Mitstreitern – Studenten, Feuerwehrleute, Polizeibeamte und Rentner – ist ihm wichtig. Und blieb es, auch nachdem er vor drei Jahren seine zweite Frau Lubov geheiratet hatte. „Mir macht es eben Laune“, sagt Reiser schlicht, setzt sich auf den kleinen Hocker im Flur, zieht seine flauschigen Puschen aus und die Turnschuhe an.
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