Spielhölle: Keiner will sie – trotzdem genehmigt

Wo Jugendliche ihre Freizeit verbringen und in unmittelbarer Nähe einer Neubausiedlung mit 1.000 Wohnungen gehört keine Spielhalle, findet Altonas Politik. Zu spät - die Spielothek im UCI-Komplex wurde genehmigt. (Foto: Foto: pixelio / Uwe Steinbrich)

Spielothek zieht in den UCI-Kino-Komplex an der Baurstraße.

Demnächst soll ins Erdgeschoss im UCI-Kino-Komplex an der Baurstraße eine Spielhölle einziehen. Die Politik schäumt vor Wut, die Verwaltung beruft sich auf Fristen und Vorschriften.
Zur Vorgeschichte: Das Gebäude an der A7-Auffahrt Othmarschen Richtung Norden bringt Läden kein Glück: Das Kultgeschäft Schaumstoff Lübke ging hier ebenso ein wie Elektro-Brinkmann. Auch später konnte sich nichts lange halten - im Klotz an der Baurstraße laufen Ladengeschäfte einfach nicht. Die Folge: Gähnender Leerstand.
Trotzdem ist hier oft viel los. Denn die Kinos, das Louisiana Restaurant und die Bowling Bahn ziehen vor allem am Wochenende viele (junge) Menschen an. Und die Zukunft verspricht noch mehr Publikum: Direkt nebenan werden 1.000 Wohnungen errichtet, die im nächsten Jahr bezogen werden sollen, 300 davon Sozialwohnungen.
Grund genug für die Altonaer Politik, einstimmig „Nein“ zu sagen, als eine Spielhalle in den UCI-Komplex einziehen wollte. Mark Classen von der SPD: „Das ist zwar gegenwärtig erlaubt, aber wir hatten die Verwaltung beauftragt, den Bebauungsplan so zu ändern, dass Einrichtungen wie Spielhallen, Sexshops und Wettbüros an dieser Stelle ausgeschlossen sind.“ Das war am 15. August im Planungsausschuss.
Doch eine solche Änderung braucht ihre Zeit. Und die gab es nicht mehr, argumentiert die Verwaltung. Kerstin Godenschwege, Sprecherin des Bezirksamts: „Das Bezirksamt konnte nur noch dem Rechtsanspruch des Bauantragstellers entsprechen und genehmigen.“ Genehmigt wurde am 14. September.
Der Antrag auf die Spielhalle lag dem Bezirksamt aber seit dem 30. Mai vor. Mark Classen fragt sich, weshalb nicht irgendeiner in der Verwaltung die Brisanz erkannt und rechtzeitig an die Politik gemeldet hat, anstatt den Antrag in aller Seelenruhe auf seinen bürokratischen Weg zu schicken: „Mitdenken wäre wünschenswert.“ Uwe Szczesny, (CDU) sagt kurz und knapp:  „Das wurde verschludert. Unsere Lesart ist: Das Amt hätte noch genug Zeit gehabt, das zu verhindern, hat aber nicht schnell genug gehandelt.“

Info: Was sagt der Vermieter?
Vermieter des UCI-Gebäudekomplexes ist die Berlinovo Immobiliengesellschaft. Das sagt Unternehmenssprecher Stefan Siebner: „Othmarschen Park ist eine Freizeitimmobilie und dient der Freizeitnutzung aller Art. Eine Spielothek entspricht der vorherrschenden Nutzung an der Stelle. Wir hatten große Probleme mit Leerstand. Inzwischen sind wir auf einem guten Wege. Oben wird das Fitness-Studio McFit auf 2.500 Quadratmetern einziehen. Ein weiterer neuer Mieter ist ein großes asiatisches Selbstbedienungsrestaurant im Büfett-Stil auf 1.500 Quadratmetern. Auch ein Geschäft für Modellbauflugbau kommt.
Der Spielothek haben wir 150 Quadratmeter vermietet. Das ist bei einer Gesamtmietfläche von 19.200 Quadratmetern weniger als ein Prozent. Ich denke nicht, dass da Gefahr besteht, ein bestimmtes Klientel anzuziehen, das den Tag im Dunkeln verbringt.“
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