Spielhallen-Coup: Zeugin mit Erinnerungslücken

Die weibliche Spielhallenaufsicht soll die Täter nach Feierabend in die Spielhalle gelassen haben, so dass diese in aller Seelenruhe die Automaten knacken konnten. Im Polizeiverhör belastete sie den späteren Mitangeklagten schwer. Doch vor Gericht hatte die Angeklagte plötzlich erhebliche Erinnerungslücken.

Freispruch für Angeklagten – Diebstahl von 14.000 Euro bleibt ungeklärt.

Von Reinhard Schwarz.
Wie kamen die Einbrecher in die Spielhalle? Um diese Frage drehte sich ein Prozess im Amtsgericht Altona. Angeklagt: ein junger Mann und eine junge Frau.
Der Vorwurf gegen Monika S.: Sie soll am 21. Oktober 2010 als Spielhallenaufsicht kurz vor Feierabend zwei Männer in die Spielhalle gelassen haben. Anschließend habe sie die Spielhalle verlassen und abgeschlossen. Danach brachen die Männer Glücksspielgeräte und einen Geldwechselautomaten auf, rissen eine Klimaaanlage aus der Wand und verschwanden mit den erbeuteten 14.000 Euro durch das Loch in der Wand. Einer der beiden mutmaßlichen Täter, Mehmet C., steht nun mit vor Gericht.
Doch die Beweislage gegen den männlichen Angeklagten ist dünn, einzige Augenzeugin ist die Mitangeklagte. Während Mehmet C. (27) auf Anraten seines Anwalts Uwe Maeffert schweigt, weicht Monika S., die zusammengesunken auf ihrem Stuhl sitzt, den Fragen des Gerichts aus, flüstert kaum hörbar, bringt keinen vollständigen Satz heraus.
Im Polizeiverhör direkt nach der Tat hatte sie erklärt, Mehmet C., Dauerkunde in der Spielhalle, habe sie wegen ihres Cannabis-Konsums erpresst. Er wollte ihrem Chef davon berichten. Aus Angst sei sie auf den Plan zur Plünderung der Glücksspielautomaten eingegangen.
Doch jetzt hat die Angeklagte Erinnerungslücken. Sie habe zwar am Hinterausgang der Spielhalle zwei Männer gesehen, doch könne sie sich an diese nicht mehr genau erinnern, flüstert sie. Schließlich platzt selbst ihrem Anwalt der Kragen: „Sie müssen das mal etwas genauer beschreiben!“ Ja, sagt sie, der eine habe eine beige Jacke getragen, der andere eine dunk-le. An mehr könne sie sich nicht erinnern.
Nach einer Beratung zwischen Richterin, Anwälten und Staatsanwältin beantragt diese Freispruch für den männlichen Angeklagten. Ihm sei weder die Tat noch die Erpressung nachzuweisen: „Es bleiben letzte Zweifel.“
Monika S. kommt mit einem blauen Auge davon. Das Verfahren gegen sie wird gegen Zahlung einer Geldbuße von 300 Euro eingestellt. Ihren Job in der Spielhalle ist sie längst los. Die 14.000 Euro bleiben verschwunden.
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