Spendenaktion “HVV-Tickets für Wohnungslose”

Schon im letzten Winter beteiligten sich eine ansehnliche Zahl an Spendern an der Aktion HVV-Fahrkarten für Wohnungslose. Wer kein Dach über dem Kopf hat, muss umso dringender mobil sein, sagt Annegret Matthies von der Tagesaufenthaltsstätte Herz As, die die Tickets weitergibt.

Diese Hilfe kommt an. Das merkt Annegret Matthies vom Herz As schon an den Gesichtern der Beschenkten: „Da ist so viel Freude und Erleichterung.“ Im letzten Winter konnte das Team der Tagesaufenthaltsstätte es sich leisten, an einige seiner wohnungslosen Besucher Fahrkarten für den HVV zu verteilen. Möglich macht das diese Initiative.

Es besteht kein Zweifel: „Wer schon keine Wohnung hat, muss sich wenigstens frei bewegen können“.
Obdachlosigkeit heißt, unterwegs zu sein, sagt auch Annegret Matthies. Die Tagesaufenthaltsstätte ist woanders als die Einrichtung, wo es Abendessen gibt. Und die wieder woanders als der Schlafplatz. Dazu kommen Wege zu Wohnungsbesichtigungen oder Amtsterminen. „Obdachlose haben viel auf dem Zettel: Sie müssen sich Verpflegung organisieren, ärztliche Versorgung sichern oder sehen, dass sie sich beim Flaschensammeln etwas verdienen können.“ Fahrkarten sind teuer – Schwarzfahren auch!

Diese Aktion soll nun für diesen Winter wiederholt werden und die Initiatoren/innen bitten deshalb die Spenden für HVV-Fahrkarten zu überweisen auf das Herz AS Spenden-Konto bei der
Ev. Darlehnsgenossenschaft BLZ: 210 602 37, Kto.- Nr.: 130 214
Verwendungsnachweis: HVV-Fahrkarte.

Es werden keine großen Einzelbeträge erwartet sondern es geht um kleine Beträge a. 5,—EUR.

Von der Initiative und der Resonanz im letzten Winter war Matthies wie auch eine der Initiatoren, das Ehepaar Dieter Kröger und Antje Kröger-Voss aus Ottensen gleichermaßen begeistert: „Das ist alltagspraktische Hilfe, von der wir ja gar nicht zu träumen wagten. Wir hätten auch nicht erwartet, dass sich bei den Spendeneingängen so schnell was tut.“

Jedoch der Bedarf ist groß, sagt Annegret Matthies. Das erlebt sie im Herz As fast täglich: Viele Obdachlose haben die Einrichtung als ihre Postadresse angegeben. „Dann kommen hier per Brief Bußgeldbescheide vom HVV an wegen Fahrens ohne Fahrkarte. Die Leute sind total verzweifelt.“

Kostenloser HVV käme auch für die Stadt kostengünstiger


Freie Fahrt: Dieter Kröger fordert, dass Obdachlose kostenlos die Angebote des HVV nutzen dürfen - er ist sich sicher: „Die Stadt würde sparen, wenn sie Obdachlose kostenlos Bus und Bahn fahren lassen würde. Denn dann würde „der ganze sinnlose Bürokratismus“ mit Mahnbescheiden und Gerichtsverfahren entfallen, der „sowieso kein Geld bringt“. Und auch Gefängnisaufenthalte zur Verbüßung einer Ersatzfreiheitsstrafe kosteten ja Geld.

„Gut wäre, wir könnten von den Spenden Monatskarten kaufen und die ausgeben. Ideal wäre, die Stadt würde das übernehmen" sagt Matthies.

Die Sozialbehörde bietet derzeit nur eine sogenannte Sozialkarte an. Die kann jeder, der Sozialleistungen bezieht, beim Amt bekommen. Damit gibt es dann 18 Euro Rabatt auf HVV-Monatskarten. Doch das ist viel zu wenig, findet Annegret Matthies: „Sie müssen dann immer noch 30 oder 40 Euro bezahlen.“ Viel Geld für Menschen, die so gut wie nichts haben. Und: Wer keinen Anspruch auf Sozialleistungen hat, etwa weil er nicht aus Deutschland stammt, oder seine Ansprüche nicht geltend machen kann – oft ein langer Weg mit vielen Formularen und Formalitäten – bekommt selbst so eine Sozialkarte gar nicht.

Hinz&Kunzt fordert schon lange ein echtes Sozialticket – keine Ermäßigung auf reguläre Tickets, sondern eine Fahrkarte, mit der Hilfeempfänger ohne zeitliche Einschränkung im Großbereich fahren können.

Was Dieter Kröger will, geht ebenfalls weiter. Die Spendenaktion soll nämlich nicht nur unmittelbar helfen, sondern auch politisch etwas verändern: „Jede Spende ist ein Fingerzeig Richtung HVV und ein Appell an die Politik.“ Sein Ziel: Dass die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel generell für Wohnungslose kostenlos ist. Dass das bisher nur einigen über private Spenden ermöglicht werden kann, sagt er „das muss dem Senat mit jeder Spende immer peinlicher werden."
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