„Sparen an der Jugend? Das wird sich rächen!“

Ein Kinderparadies: das Spielgelände Bonnepark.

Altonaer Vertreter der offenen Jugendarbeit über die Sparvorschläge aus dem Bezirksamt.

Dem Wochenblatt sind geheime Listen zugespielt worden, in denen das Jugendamt Altona auf Aufforderung der Sozialbehörde Vorschläge macht, wo und wie man im Bezirk an der offenen Jugendarbeit sparen könnte.
Das Fazit nach erstem Durchsehen: Es trifft fast alle, von der GWA St. Pauli über Motte und Haus Drei bis zum Spielgelände Bonnepark. Zwar sind die Vorschläge erst Gedankenspiele, aber der Spardruck existiert real. Heißt: Die Chance, dass aus Ideen Wirklichkeit wird, ist groß. Das Bezirksamt beantwortet derzeit keine Fragen. Dafür äußern sich die Vertreter der Einrichtungen, die auf der Liste stehen, umso lauter.
Otto Clemens von Haus Drei fürchtet um den Bereich Erlebnispädagogik für heranwachsende Jungen. Er warnt: „Die Politiker, die sowas beschließen, wissen gar nicht, was hier los ist. Vielen dieser Jungen fehlt Orientierung und Klarheit. Die müssen an ihrer Straßenecke aufgesucht werden, soziale Regeln kennenlernen.“ Über das Argument der Politik, die Ganztagsschule werde die offene Jugendarbeit teilweise ersetzen, kann er nur lachen: „Diese Jungs suchen gar nicht gerne eine Institution auf, schon gar keine Schule. In den schlimmeren Fällen sind das chronische Schulschwänzer - da kann die Schule noch so tolle Angebote machen.“
Atif Bayazit von der GWA St. Pauli, ist der gleichen Meinung: „Wir schätzen, dass ein Drittel der Schüler mit der Ganztagsschule nicht zurechtkommen wird. Wohin mit denen? Wir werden, wenn die offene Jugendarbeit kaputtgespart wird, erhebliche Schwierigkeiten bekommen. Auf lange Sicht wird das teuer!“
Sowohl das Jugendcafé Govertsweg als auch das Jugendcafé Bahrenfeld stehen laut Liste vor der Schließung. Mauricio Wert-heim vom Movego e.V. betreibt vier Jucas im Bezirk:, „Wir brauchen die Räume, erreichen hier 30 bis 50 Jugendliche am Tag, dazu Eltern und Geschwister. Die Leute kennen uns, hier finden sie Gehör und Beratung. Der Behörde ist nicht klar, was da auf sie zurollt, das wird sich schnell rächen.“ Pikant: Olaf Scholz war 1994 einer der Mitbegründer des Jugendcafés Govertsweg.
Das Juca Bahrenfeld - auch auf der Abschussliste. Wert-heim: „Irrsinnig! Bahrenfeld hat schon immer am wenigsten Geld zur Verfügung gehabt - keine Straßensozialarbeit, keine Elternschule, keine Infrastruktur. Es gab einen Grund, warum das Haus vor zehn Jahren hier gebaut wurde. Vielleicht hat man das vergessen. Die Jugendlichen sagen schon: „Müssen wir erst Autos zertrümmern, damit jemand uns hört?“
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