Sozialrichter: Frau Pervölz braucht neue Schuhe

In ihrer Wohnung in der Neustadt: Heide-Marie Pervölz mit den alten orthopädischen Straßenschuhen. Foto: mg

Um eine Deformation der Füße zu verhindern, muss die Krankenkasse orthopädische Straßenschuhe bezahlen

M. Greulich, Neustadt

Es ist ein Etappensieg, den Heide-Marie Pervölz (72) im Papierkrieg mit der Barmer errungen hat. Hamburgs höchste Sozialrichter haben die Krankenkasse im Eilverfahren dazu verdonnert, sie mit Ersatzschuhen für die kaputt gegangenen Stiefel zu versorgen. „Zum Glück haben die Landessozialrichter ein Einsehen gehabt“, so Pervölz. In erster Instanz war der Antrag im Eilverfahren noch abgelehnt worden (das Elbe Wochenblatt berichtete).
Krankenkasse entschied
anhand kopierter Fotos

Ausschlaggebend war ein Attest des behandelnden Arztes. Er hatte festgestellt, dass die Gefahr bestehe, dass sich Pervölz’ Füße in normalen Straßenschuhen weiter verformen könnten. Mit Folgeschäden wie Pflegebedürftigkeit sei ohne die 2.129,68 Euro teuren Maßschuhe daher zu rechnen.
Nicht gut kam es bei Gericht an, dass der Medizinische Dienst der Krankenkasse (MDK) in seinem Gutachten nur auf kopiertes schwarz-weiß Fotomaterial von den Füßen und zwei Fußabdrücke zurückgegriffen hatte, anstatt Frau Pervöz selber zu untersuchen.
„Ich freue mich, dass ich neue Schuhe habe, ohne die ich nicht laufen kann, aber es ist noch möglich, dass ich sie irgendwann zurückgeben muss“, so Pervölz.
Was sie meint: Nachdem das Eilverfahren postiv endete, hat sich Pervölz’ Hoffnung zerschlagen, mit der Barmer keinen langwierigen Prozess führen zu müssen.
Nachdem ihr Widerspruch gegen die Entscheidung des MDK abgelehnt wurde, hat ihre Rechtsanwältin Klage gegen die Barmer einreichen müssen. „Das Verfahren ist für mich eine Belastung. Bislang auch finanziell. Mir ist in beiden Instanzen Prozesskostenhilfe nur in Raten von jeweils 50 Euro monatlich bewilligt worden. Das heißt ich muss monatlich über 100 Euro für beide Instanzen an Gerichts- und Rechtsanwaltskosten zahlen. Das ist uns bei meiner kleinen Rente nicht möglich“, so Pervölz. Sie hofft, dass ihr das Gericht nun Prozesskostenhilfe ohne Ratenzahlung gewährt.
Im sogenannten Hauptsacheverfahren werden die Sozialrichter dann wahrscheinlich ein Sachverständigengutachten einholen. Das Elbe Wochenblatt wird weiter berichten.
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