So ein Irrsinn: Erst Kleingärten gekündigt - dann aus dem Gelände einen Garten gemacht

Sommer 2010 - der letzte Sommer der Kleingärtner am Regerstieg....

Kirche wollte Gelände am Regerstieg verkaufen – das scheiterte. Nun wird es wieder Garten – aber ohne Kleingärtner.

Hat die Kirche Kleingärtner ausgetrickst? Oder hat die Stadt die Kirche ausgetrickst? Die Geschichte eines 8.000-Quadratmeter-Kirchengeländes am Regerstieg – ein Trauerspiel.
Den Kleingärtnern am Regerstieg wurde 2010 von der Kirche gekündigt. Die Friedhoferweiterungsfläche sollte verkauft und bebaut werden. Erst einmal aber lag sie brach, verwahrloste. Vier Jahre lang. Nun passiert dort etwas. Wird gebaut? Im Gegenteil: Die Kirche richtet dort selbst einen Garten ein. Die Kleingärtner von damals sind verständlicherweise sauer. „Uns verjagt man und zerstört unsere Gärten. Und dann gärtnert die Kirche da selbst. Was soll das?“
Die Kündigung der Kleingärtner – ein billiger Trick der Kirche um selbst zu einem Garten zu kommen? Nein. Es ist ganz anders. Schuld an allem ist die Hansestadt Hamburg. Das lässt sich jedenfalls aus einem Schreiben von Kerstin Herriehausen vom Evangelisch Lutherischen Kirchengemeindeverband herauslesen. Herriehausen reiht für das Wochenblatt die Pläne auf, mit denen die klamme Kirche am Regerstieg Geld verdienen wollte.
Plan 1: Zuerst setzt die Kirche auf Wohnbebauung. Das scheitert daran, dass in der Nähe ein so genannter Störfallbetrieb (Gashandel Gerling, Holz & Co, Ruhrstraße 113) existiert, der Wohnen im Umfeld verbietet.
Plan 2: Ein Tierfriedhof, der erste und einzige in Hamburgs Westen, soll entstehen. Doch es gibt keine Genehmigung – der Tierfriedhof sei nicht weit genug vom Menschenfriedhof entfernt.
Plan 3: Die russisch-orthodoxe Gemeinde ist interessiert, kauft aber schlussendlich für ihre Kapelle und ihren Friedhof nur einen kleinen Teil des Geländes.
Plan 4: Die Wirtschaftsbehörde möchte das Gelände kaufen und Kleingewerbe ansiedeln. Geht nicht: Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt erhebt Einspruch.
Plan 5: Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt tritt an die Kirche heran: Sie möchte das Gelände kaufen – um Kleingärtner dort anzusiedeln. Gleichzeitig wird ein Bebauungsplan aufgestellt, der nichts anderes auf dieser Fläche erlaubt als Grün.
„Im Klartext“, fasst Herriehausen zusammen: „Nicht der Kirchenverband wollte und will Kleingärten durch Kleingärten ersetzen, sondern die Stadt. Wir haben die Verhandlungen mit der Stadt abgebrochen. Wir mussten uns allerdings fragen, was man angesichts dieser enormen rechtlichen Nutzungseinschränkung überhaupt noch machen kann.“
Es blieb nur eine Antwort: ein Garten.

Nachgefragt bei der Wirtschaftsbehörde: Wurden die Verhandlungen um einen Ankauf (und Bebauung mit Kleingewerbe) der Fläche Regerstieg beendet, weil die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) nicht wollte? Antwort: „Im Kern stimmt das, Gewerbe ist an der Stelle in der Planung der BSU nicht vorgesehen“.
Warum nicht? fragte das Wochenblatt die BSU. Eine Antwort steht noch aus.
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