Seltenes Bild in Altona: Eine Post hat geöffnet

Neue Filiale, die angeblich „modernisiert“ wird: Doch auch in der Altonaer Poststraße mussten Kunden letztens draußen bleiben. Foto:cvs
 
30. Dezember: „Betriebliche Gründe“ in der Zweigstelle Piependreiherweg. Foto: mg

Nach Schließung von Ottenser Filiale war die Zweigstelle Altona zum Jahresbeginn ebenfalls dicht!

Ch. v. Savigny, Ottensen/Altona

Mit „seiner“ Postfiliale im Piependreiherweg war Rainer Bartels* im Großen und Ganzen zufrieden. „Die Bedienung dort war immer ausgesprochen kompetent und freundlich“, sagt der Elbe Wochenblatt-Leser.
Nach der Schließung der Ottenser Zweigstelle (das Elbe Wochenblatt berichtete) erhielt Bartels einen Brief des Betreibers, der Postbank. „Es hieß, man freue sich darauf, mich künftig im Postbank Finanzcenter in der Altonaer Poststraße zu begrüßen.“ Gleich zu Jahresbeginn machte sich der Ottenser auf den Weg – und stand wieder vor verschlossenen Türen. Ein Schild mit einem Hinweis („technische Gründe“) vertröstete den Kunden auf den Nachmittag. Daraus wurde nichts – stattdessen ein weiteres Schild mit der Bekanntmachung, dass die Zweigstelle an dem Tag komplett geschlossen bleibe. „Andere Kunden haben mir berichtet, dass dies sowohl am Montag als auch am Dienstag (2. und 3. Januar, d. Red.) der Fall war“, ärgert sich Bartels.
„Technikausfall“ verursachte laut Postbank die Schließung
Die häufigen – und meist unangekündigten – Schließungen der Postbank standen in der Vergangenheit oft in der Kritik der Gewerkschaft ver.di. Auch im Wochenblatt hatte sich eine Vertreterin dazu geäußert. Tenor: Die Postbank spare zuviel am Personal – dadurch steige die Arbeitsbelastung und letzlich auch der Krankenstand.
Laut Unternehmen ist aber in diesem Fall ein anderes Problem schuld: „Am 2. und 3. Januar kam es zu einem Technikausfall in unserem Finanzcenter in der Altonaer Poststraße, welcher zu einer Schließung der Filiale an diesen beiden Tagen führte“, erklärt Postbank-Sprecher Ralf Palm.
Im Kundenbrief hatte zudem eine Mitteilung der Firma Verwirrung gestiftet, die Filiale werde „modernisiert“. „Diesbezüglich ist den Kollegen in der Betreffzeile ein Fehler unterlaufen“, so Palm. „Wir bedauern diese Umstände und bitten unsere Kunden um Entschuldigung.“
Die Postbank gilt bundesweit als Online-Pionier. Beliebt ist das Unternehmen auch wegen seines dichten Netzes an Geldautomaten und wegen der Sonnabends-Öffnungen. Ottenser Kunden können ab sofort auf eine Postbank-Agentur in der Bahrenfelder Straße 233 ausweichen, die aber deutlich kleiner ist. Weniger stark betroffen von der Schließung ist der Brief- und Paketverkehr – allein in Ottensen gibt es mindestens drei sogenannte „Partnerfilialen“ (DHL-Shops).
*Name geändert

Leserbrief zum Thema

„Post in Ottensen vor dem Aus“
Elbe Wochenblatt für Altona
Nr. 46 vom 16. November

Unterbesetzung als Methode?
Zu Zeiten der Behördenpost („Deutsche Bundespost“) gab es Postämter. Durch die Privatisierung wurden daraus Postfilialen. Dann zog sich die Post aus dem operativen Geschäft zurück und stellte auf den Agenturvertrieb um. „Freundlicherweise“ übernahm dann die Postbank die Filialen der Post, so dass diese zu Postbankfilialen wurden. Wenn sich die Kunden dann auf der „Post“ über etwas beschwerten, bekamen sie schon mal zu hören: „Sie sind hier nicht bei der Post, sondern bei der Postbank!“
Für die Postbank – bis dahin praktisch eine reine Direktbank – hatte das den Vorteil, dass sie auf diese Weise endlich mal zu eigenen Filialen kam. Ansonsten war die Post in ihren Ämtern/Filialen als Agentur für die Postbank tätig. Im Rahmen der Umstellung bei der Post auf den Agenturvertrieb wurden allerdings zum Glück auch viele Annahmestellen in privaten Läden (Kioske, Supermärkte oder ähnliche) eingerichtet, so dass die Post heute über ein wesentlich engmaschigeres Netz verfügt. Dadurch fallen die Probleme mit den Postbankfilialen auch weniger ins Gewicht.
Die permanente Unterbesetzung in mehreren Postbankfilialen, die sogar schon zu zeitweiligen Schließungen geführt hat, lässt allerdings den Verdacht aufkommen, dass das Methode hat und sich die Postbank mittelfristig von ihren Filialen verabschieden und wieder das werden will, was sie immer war: eine reine Direktbank. Die Belebung des Bank-Geschäfts, die sich die Postbank von den Filialen versprochen hatte, ist ausgeblieben.

Jochen Ebert, per E-Mail
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