Sechs junge Frauen – Tod in Ottensen 1943

Einig im Respekt vor den ermordeten Zwangsarbeiterinnen aus ihren jeweiligen Ländern: Yuriy Yarmilko, Generalkonsul für die Ukraine in Hamburg und Dmitry Burow (vorn) vom russischen Generalkonsulat.

Die Zwangsarbeiterinnen aus Russland und der Ukraine waren zwischen 20 und 27 Jahre alt.

Sechs neue glänzende Stolpersteine liegen an der Friedensallee 128 im Eingangsbereich zum Kolbenhof. Sie erinnern an junge Frauen aus Russland und der Ukraine. Zwangsarbeiterinnen. Keine von ihnen kehrte in die Heimat zurück.

Der Kolbenhof – ein kleiner Gewerbehof in Ottensen. Nichts deutet mehr darauf hin, dass hier die Firma Noleico Norddeutsche Leichtmetall- und Kolbenwerke im Krieg Flugzeugteile für die Deutsche Luftwaffe herstellte.
Arbeitskräfte waren knapp – die Männer im Krieg. Deswegen wurden Zwangsarbeiter aus dem Osten herangekarrt, Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge – fast eine halbe Millionen Menschen. Die Frauen, deren Namen auf den Stolpersteinen stehen, gehörten dazu. Galina Tkachenko kam aus der Ukraine. Ihr Vergehen: Sie hatte Kontakt zu einem deutschen Arbeiter. Wilhelm Reinhardt. Dem hatte sie einen Brief mitgegeben. Der Brief ging verloren – und wurde von jemandem gefunden, der Reinhardt anzeigte. Er wurde verhört, misshandelt, ins KZ-Neuengamme gebracht. Galina, 22 Jahre alt, wurde erschossen.
Von den anderen fünf Frauen stammte eine, Anna Arapova, aus der Ukraine, die anderen vier waren aus Russland zur Zwangsarbeit nach Bahrenfeld deportiert worden. Ihre Namen: Sofija Minaeva, Marija Perminova, Taissija Smirnova und Antonia Kozlova. Die jüngste war 20 Jahre alt, die älteste 27. Als „Rädelsführerinnen“ wurden sie zunächst ins Frauengefängnis Fuhlsbüttel gebracht und später von der Gestapo durch Genickschuss hingerichtet. Sie hatten den Mut gehabt, gegen schlechte Behandlung und für eine bessere Ernährung zu protestieren. Mit ihrer Erschießung sollte ein Exempel statuiert werden.
Der SS-Mann, der die Erschießungen angeordnet hatte, stand nach dem Krieg vor Gericht, behauptete aber, von den Hinrichtungen nichts gewusst zu haben. Alle schriftlichen Beweise waren verschwunden. Er kam frei.
Bei der Einweihung der Steine riefen der Generalkonsul der Ukraine Yuriy Yarmilko und der Generalattaché am Generalkonsulat der Russischen Föderation Dmitry Burow Seite an Seite dazu auf, die schrecklichen Ereignisse jener Zeit nicht zu vergessen. Schüler der Gebrüder Humboldt Schule aus Wedel legten Blumen auf die Messingplatten.

Stolpersteine
Seit 1995 erinnert der Kölner Künstler Gunter Demnig mit seinem Projekt „Stolpersteine“ durch kleine Gedenksteine europaweit an Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft vor deren früheren Wohnorten. Hamburg hat inzwischen 4.706 Stolpersteine, 272 davon liegen im Bezirk Altona.

Dokumentation
Die Informationen zu den ermordeten Zwangsarbeiterinnen stammen von der Historikerin und Mitarbeiterin des Stadtteilarchivs Ottensen, Birgit Gewehr.
Eine ausführliche Dokumentation erscheint 2015 in der erweiterten Neuauflage ihres Buches „Stolpersteine in Altona. Eine biografische Spurensuche“, herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und dem Institut für die Geschichte der deutschen Juden.
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