Schweigemarsch zum Gedenken an Süleyman Tasköprü

Archiv-Foto vom 21. Juni 2001, kurz nach der Tat: In diesem Gemüsegeschäft in der Schützenstraße wurde Süleyman Tasköprü ermordet. (Foto: ik)
Von Reinhard Schwarz.
Es war ein Zug der Trauer, aber auch einer des Zorns: Am Sonnabend gedachten rund 1.000 Menschen bei einem Schweigemarsch des vor zehn Jahren offenbar von Rechtsradikalen ermordeten Süleyman Tasköprü. Der Obst- und Gemüsehändler wurde am 21. Juni 2001 in dem gemeinsam von der Familie Tasköprü betriebenen Geschäft in der Schützenstraße mit Schüssen aus zwei Pistolen regelrecht hingerichtet.
Eine der verwendeten Pistolen war eine Ceska, die auch von der rechtsradikalen Terrorgruppe NSU benutzt wurde. Zudem brüsteten sich die Täter in einem Video damit, diesen sowie weitere Morde an türkischen und einen griechischen Gewerbetreibenden begangen zu haben.
Die Demonstranten – darunter auch Innensenator Michael Neumann (SPD) – forderten ein NPD-Verbot und die restlose Aufklärung der Taten. Die Demonstration zog von der Neuen Großen Bergstraße über Ottenser Hauptstraße und Bahrenfelder Straße bis zum Tatort Schützenstraße 39, wo sich früher der Gemüseladen der Familie Tasköprü befand. Teilnehmer des Schweigemarsches breiteten hier Fotos von bisher durch rechte Gewalt umgekommene Menschen aus.
Uwe Grund, Vorsitzender des Hamburger DGB, des Deutschen Gewerkschaftsbundes, sprach von einem „Aufstand der Anständigen“ und forderte, dass durch ein NPD-Verbot immerhin „das Finanzierungssystem der Partei gestört wird“. Das reiche aber nicht: „Wir müssen auch die faschistischen Strukturen bekämpfen.“
Doch viele Kinder von Eltern der ersten Einwanderergeneration sind skeptisch. „Ich erwarte nicht viel“, sagt eine 17-jährige Schülerin, „das ist jetzt ganz groß in den Medien, wird aber irgendwann wieder verschwinden.“ Großes Misstrauen äußert die 31-jährige Büroangestellte Yasemin S.: „Ich fühle mich darin bestätigt, dass rechtsradikale Gewalt in Deutschland ignoriert und verharmlost wird, während mehr als 100 Menschen von Rechten ermordet wurden.“ Sie vermutet auch, „dass der Staat diese Taten unterstützt“.
Elif E. (34), Lehrerin aus Eppendorf, ist wütend über den verwendeten Begriff „Döner-Morde“, der den Opfern Kontakte zur organisierten Kriminalität unterstelle: „Darin äußert sich ein Rassismus, der dazu führte, dass nur in eine Richtung ermittelt wurde.“
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1 Kommentar
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Jakob Krenz aus Altona | 20.12.2011 | 07:45  
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