Schon wieder: Schießerei am Lüdersring

Durch diese Glastür schoss der Täter - die Scheibe wurde sofort ausgewechselt.
 
Die Schusswaffe wurde noch nicht gefunden. (Foto: paulwip/pixelio)

25-Jähriger entkommt Anschlag mit Schüssen im Bein.

Eine Treppe hat wahrscheinlich Emra Y.’s Leben gerettet. Ein Unbekannter schoss in der Nacht zum vergangenen Mittwoch durch die Haustür im Lüdersring mindestens fünf Mal auf den 25-Jährigen. Würden nicht innen im Hausflur direkt hinter der Haustür Stufen zu den Wohnungen im Erdgeschoss hochführen, dann hätten die Schüsse den fliehenden Y. womöglich nicht in die linke Wade, sondern ins Herz getroffen.
Auch am Dienstagmorgen, knapp eine Woche nach der Tat, hatte die Polizei keine neuen Erkenntnisse. Polizeisprecher Holger Vehren: „Wir wissen noch nichts über den Täter, und die waffentechnischen Untersuchungen an den Projektilen dauern zwei bis drei Wochen.“ Die Waffe selbst ist mit dem Täter veschwunden.
Was war passiert? Emra Y. kam um 1.05 Uhr vom Sport nach Hause in den Lüdersring. Dort wohnt er mit seinen Eltern in einem Mehrfamilienhaus. Insgesamt acht Parteien leben hier. Ein schmaler Fußpfad führt von der Straße zum Hauseingang.
Plötzlich hört der junge Mann hinter sich jemanden, Schüsse fallen. In Panik schließt er die Tür auf, wirft sie hinter sich ins Schloss, rettet sich in den Hausflur, weitere Schüsse knallen, sie treffen den die Treppe hinauf Flüchtenden ins Bein. Drei Kugeln schlagen in die gekachelte Wand vor der Erdgeschosswohnung links, eine in den Türrahmen der Familie B., die hier wohnt. Nicht auszudenken, wenn jemand die Tür geöffnet hätte, um nachzusehen, was los ist.
Emra Y. gelingt es noch, selbst den Notarzt zu rufen. Die Polizei ist mit elf Funkstreifen vor Ort, die Kripo kommt. Emra Y. antwortet bei einer ersten Befragung, dass er keine Ahnung hat, wer ihm ans Leben will. Allerdings wird wohl intensiv in seinem Umfeld nach Verbindungen gesucht werden, die auf den Täter hinweisen. Denn das Opfer scheint alles andere als ein Unschuldslamm zu sein. Ein Beamter, der sich in Lurup auskennt, hinter vorgehaltener Hand zum Wochenblatt: „Den kennen wir rauf und runter.“
Der Täter soll Jeans, Sportschuhe und eine beige Mütze getragen haben. Die Beamten der Mordkommission bitten Zeugen, die etwas zur Tat oder zum Täter sagen können, sich unter Tel 428 65 67 89 zu melden.

Kinder lachen, Rasenmäher brummen, Vögel zwitschern. Der Lüdersring ist keine Straße, die gefährlich aussieht. Die Häuser tragen Blumenkästen an den Balkons, die Rasenflächen sind gepflegt, Hecken säumen die Fußwege; es duftet nach Flieder und Gras. Einige Hochhäuser stehen hier, die höchsten haben neun Geschosse. Dazu kommen kleinere Mehrfamilienhäuser, maximal viergeschossig.
Aber der Lüdersring taucht immer wieder negativ in den Schlagzeilen auf: eine Vergewaltigung im vergangenen Jahr, Schießereien - vier in fünf Jahren, die letzte im Januar. Mord, Massenschlägereien, Drogenhandel, Raub - alles dabei. „Ich verstehe das einfach nicht“, sagt eine Spaziergängerin zur Wochenblattreporterin. „Hier ist doch eigentlich alles so friedlich."

Das Wochenblatt möchte wissen: Wie ist es wirklich am Lüdersring? Ist er tatsächlich die „gefährlichste Straße Hamburgs“, wie es in den Medien heißt? Wohnen Sie dort? Haben Sie Angst? Oder ist das alles übertrieben? Bitte schreiben oder mailen: Redaktion Elbe Wochenblatt, Harburger Rathausstraße 40, 21073 Hamburg „Stichwort: Lüdersring“ oder:
post@wochenblatt-redaktion.de, Betreff: „Lüdersing“
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Rudolf Lessing aus Wilhelmsburg | 26.05.2013 | 21:21  
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