Schlecker-Pleite: "Bitte nicht unser Markt!"

Am Sonnabend wird geschlossen - drinnen im Schlecker-Markt stehen die Kunden an der Kasse Schlange.
 
Große Lücken in den Regalen. Nur Gummihandtasche gibts noch genug.

Nach 21 Jahren schließt der Schleckermarkt in der Grünebergstraße - keine Einkaufsmöglichkeit in der Nähe.

Die Drogeriemarktkette Schlecker ist pleite. Mehr als 11.000 Mitarbeiter verlieren ihren Job, 2.200 Filialen in ganz Deutschland müssen dicht machen. In 200 Filialen darf man noch hoffen. In 2.000 Schleckermärkten ist es dagegen für Kunden und Mitarbeiter schon traurige Gewissheit: Am Sonnabend, 24. März, ist Schluss. Abends werden die Türen zugemacht und am Montag nicht mehr geöffnet. Dieses Schicksal trifft auch den am 9. Februar 1990 eröffneten Markt in der Grünebergstraße 85.
Stammkundin Regina Schradig ist fassungslos: „Als ich gestern im Radio hörte, dass so viele Schleckermärkte geschlossen werden sollen, habe ich nur gebetet: Bitte nicht unserer!“
Eine Passantin bleibt stehen, erzählt, dass das Personal immer „superklasse“ gewesen sei, „phänomenal nett“ und sehr hilfsbereit.
Ein Blick in die Filiale: In den Regalen klaffen schon riesige Lücken; dafür sind die Körbe und Wagen der Kunden voll. Alles ist um 30 Prozent reduziert, einige Artikel gibt es sogar für die Hälfte. Eine Frau hat sämtliche lila Schoko-Osterhasen vom Regal in ihren Korb gefegt, andere Kunden statten sich anscheinend auf Monate hinaus mit Haarfärbemittel, Zahnpasta und Spülmaschinen-Tabs aus. Das preiswerte Klopapier ist schon ausverkauft.
Die Schlecker-Mitarbeiterin möchte offiziell nichts sagen. Sie trotzt dem Andrang ganz allein. Seit dem frühen Morgen ist sie da, jetzt ist es 17.30 Uhr: „Nicht mal Zeit für eine einzige Tasse Kaffee“, berichtet sie. Ihr Handy klingelt vergeblich; sie geht nicht ran - die Schlange an der Kasse steht bis fast zur Rückwand des Ladens.
Schlechte Laune wegen der vielleicht bevorstehenden Arbeitslosigkeit und der Aasgeier-Mentalität der Kunden? Weit gefehlt. Die Frau im weißen Schlecker-Kittel lächelt, begrüßt jeden, der hereinkommt, mit einem freundlichen „Hallo“, nimmt Beileidsworte der Stammkunden mit Grazie an. Wie schafft sie es, die Laune zu behalten? „Nützt ja nichts,“ sagt sie.
Die Kunden sprechen für sie. Regina Schradig: „ Ich finde das unmöglich, dass dieser Markt geschlossen wird - das ist unsere einzige Einkaufsmöglichkeit weit und breit!“ Sie deutet mit dem Kopf auf einen gehbehinderten Mann: „Was macht so einer in Zukunft? Und die Alten? Die müssen jetzt alle immer bis zur Gasstraße laufen!“
Das sagt Schlecker:
Genau das, was Kundin Regina Schradig lobend erwähnt, hat dem Markt in der Grünebergstraße wahrscheinlich das Genick gebrochen, sagt Schlecker-Pressesprecher Patrick Hacker: „Wenn es in der Nähe keine andere Einkaufsmöglichkeit gibt, ist der Unsatz niedrig. Sind andere Discounter in der Nähe, wirkt sich das meist positiv auf den jeweiligen Schleckermarkt aus.“
Bei der Auswahl der Märkte, die geschlossen werden, sei man strikt ökonomisch vorgegangen: „Umsatz gegen Kosten gerechnet und die Entwicklung der letzten fünf Jahre betrachtet“.
Die Schließung eines Marktes bedeute aber nicht unbedingt die Kündigung für die dortigen Mitarbeiterinnen. „Wir entscheiden nach rein sozialen Gesichtspunkten.“ So könne einer Mitarbeiterin in einem aktiven Schleckermarkt gekündigt werden, damit eine andere, die die Arbeit nötiger braucht und deren Markt geschlossen wird, den Job bekommt.
Hacker: „Kündigungen sind noch nicht ausgesprochen worden.“ CH
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