Schießplatz dicht - und jetzt?

Die alten Schießanlagen sollen abgerissen werden. Danach muss, wegen der herumliegenden Munitionsreste, das gesamte Gelände saniert werden.
 
Ein Gedenkstein weist auf das Alter des Schießplatzes hin. Denkmalwürdig sind die alten Schießanlagen allerdings nicht, erklärte der Sprecher der Finanzbehörde Daniel Stricker dem Wochenblatt. (Foto: pr)

Der Schießplatz wird zum 31. Dezember endgültig geschlossen. Was passiert dann mit dem Gelände am Volkspark?

Anwohner und Volkspark-Spaziergänger atmen auf: Nachdem die Polizei ihren Übungsschießplatz am Schulgartenweg im Sommer verlassen hatte, dürfen jetzt auch die Sportschützen dort nicht mehr ballern. Die Stadt hat den Mietvertrag mit den Schützenvereinen nicht verlängert: Ab 1. Januar ist endgültig Schluss mit der Knallerei am Volkspark. Gleichzeitig wechselt die Verantwortung für das Gelände von der stadteigenen Sprinkenhof AG an das Immobilienmanagement der Finanzbehörde. Aber was wird dann aus dem rund 36.240 Quadratmeter - gut fünf Fußballfelder - großen Gelände? Daniel Stricker, Sprecher der Finanzbehörde, antwortet auf die Frage des Wochenblatts, ob es an irgendeiner Hamburger Behörde Pläne für die Fläche gibt, knapp und klar: „Nein.“
Zwar gäbe es die „mögliche Option“, das Gelände als zusätzliche Grünfläche dem Volkspark zuzuschlagen, doch sei auch denkbar, dass auf Teilen Wohnungen gebaut würden. Frank Dumann, Sprecher der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, widerspricht dem: „Das Areal ist nicht für Wohnungsbau vorgesehen, da es an der offenbleibenden Strecke der A7 liegt.“
Wegen der Altlasten auf dem Gelände - jede Menge Munitionsreste - muss als erstes eine Sanierung durchgeführt werden. Wann, steht in den Sternen. Denn, so heißt es aus der Finanzbehörde: „Die Stadt bezahlt zwar die Sanierung, aber wir fangen erst damit an, wenn klar wird, was aus dem Gelände wird.“
Falsch herum gedacht, meint Gesche Boehlich, Chefin der GAL-Fraktion in Altona: „Erst wenn man weiß, wie stark die Fläche kontaminiert ist und ob die Stadt die Kosten wirklich übernimmt - offizielle Zusagen gibt es nämlich nicht - kann man sagen, was hinterher daraus werden kann. Wohnungsbau ist nur dann möglich, wenn die Kontaminierung beseitigt wird. Und ob eine stärker kontaminierte Fläche einfach so dem Volkspark zugeschlagen werden kann, ohne Gesundheitsschäden für die Besucher, ist fraglich. “
Mark Classen, Abgeordneter der in Altona mit der GAL regierenden SPD, will ein Auskunftsersuchen an die zuständigen Fachbehörden richten, um zu klären „wie die Altlastensanierung und die Erarbeitung eines Konzeptes für die Naherholung bewerkstelligt werden.“
Betreten darf man das urwaldähnliche wildromantische Gelände mit den historischen Holz-Schießanlagen nicht, bis klar wird, wie es damit weitergeht.

Der Schießplatz und seine Geschichte
1870 wurde der Schießplatz im Nordosten Bahrenfeld eingerichtet. Er war nötig geworden, weil die preußische Armee mit Gewehren größerer Schussweite ausgestattet worden war. Zu den ursprünglich sieben Ständen kamen später zwei weitere hinzu. Tausende von Nadelholzbäumen wurden angepflanzt, um den Platz zu verschönern. Aus einer Garnisonsgeschichte von 1896: „So bilden die Schießstände, vor allem an den Tagen, an welchen der Dienst dort ruht, einen beliebten Ausflugsort für einen großen Teil der umwohnenden Zivilbevölkerung. Bei klarem Wetter bietet sich von den hochgelegenen Schießständen aus ein herrlicher Rundblick.“
Nachdem die Truppen 1919 aus Altona und Bahrenfeld abgezogen waren, übernahm die Polizei dieses Gebiet zur Schießausbildung.
Am 1. Dezember 1945 vollstreckte die britische Militärregierung hier ein Urteil gegen drei Offiziere des deutschen U-Boots U852. Sie waren angeklagt, Überlebende eines im Südatlantik torpedierten griechischen Dampfers ermordet zu haben. Die Offiziere hatten Handgranaten auf Menschen geworfen, die, sich an Trümmern festhaltend, in den Wellen trieben. Die Offiziere wurden durch Erschießung hingerichtet.
(Aus: „Bahrenfelds militärische Vergangenheit“ von Hans-Günther Schmidt. Erschienen 2011, 52 Seiten, 69 Abbildungen, drei Euro. Erhältlich bei Weiland im Mercado, Ottenser Haupstraße 10, beim Papierwarengeschäft Schulz, Norburger Stieg 1, und beim Bahrenfelder Bürgerverein.)
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.