Scharfer Blick auf Deutschlands Meere

Das Bundesamt für Seeschifffart und Hydrographie hat zwei Standorte: Rostock und Hamburg. In Hamburg ist das BSH an der Bernhard-Nocht-Straße 78 zu finden – mit bestem Elbblick. (Foto: BSH)
 
Paraffin spielte im letzten Jahr eine unrühmliche Hauptrolle in der Verschmutzung der Küsten. (Foto: Tom Langbehn/ Schutzstation Wattenmeer)

Von St. Pauli aus werden alle Entwicklungen auf und in Nord- und Ostsee beobachtet und festgehalten.

Neues von Nord- und Ostsee. Einmal im Jahr werden im Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie an der Bernhard-Nocht-Straße 78 die neuesten Entwicklungen auf den deutschen Meeren veröffentlicht.
– Nie war die Nordsee wärmer als derzeit: Durchschnittstemperatur 11,4 Grad Celsius. Das ist anderhalb Grad wärmer als bisher und der höchste Wert seit 1969 mit den Messungen begonnen wurde. Korrespondierend berichtet der Deutsche Wetterdienst, dass das Jahr 2014 mit einer Durchschnittstemperatur von 10,3 Grad das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 war. Seit mehr als 100 Jahren steigen die Temperaturen von Luft und Wasser in Deutschland - deutliche Signale eines Klimawandels.
– 2014 war Rekordjahr der Stürme. Anfang Januar wurden zum ersten Mal fünf Sturmfluten direkt hintereinander beobachtet.
– Salz und Sauerstoff beleben die Ostsee. Bedingt durch eine sehr selten vorkommende Wetterlage drang 2014 in riesigen Mengen salzhaltiges Wasser aus der Nordsee in die Ostsee ein. Das Einströmen frischen Wassers aus der Nordsee ist die einzige mögliche Tiefenversorgung der Ostsee mit Sauerstoff. So gelangte sauerstoff- und salzreiches Wasser in die fast sauerstofflosen, sogenannten „Todeszonen“ der Ostsee. Jeder Liter Ostseewasser wurde mit 20 Gramm Salz versorgt, insgesamt vier Gigatonnen. Es handelt sich um den drittgrößten Salzwassereinbruch seit Beginn der Aufzeichnungen um 1880. Die Menge an Salz kann man sich so vor Augen halten: eine Salzschicht von einem halben Meter Dicke auf vier Quadratkilometer.
– Paraffin löst Öl als Hauptverschmutzer von Stränden und Küsten ab. Paraffin, ein Nebenprodukt der Erdölverarbeitung, taucht als wächsern bis schaumig wirkende vanillefarbene Klumpen an den Stränden auf. Dorthin gelangt es, wenn Paraffin-Transporttanks auf hoher See gereinigt werden. Öl- und Teer -Verschmutzungen sind dagegen stark zurückgegangen, seit Öltanks nur noch unter strengen, gesetzlich vorgegebenen Bedingungen gespült werden dürfen. Paraffin ist ungiftig, verklebt aber Vogelgefieder.
– Es werden immer mehr Windenergieanlagen gebaut.
Ende 2014 waren 135 Windenergieanlagen in der Nordsee am Netz, 438 waren in der Nordsee und 23 in der Ostsee aufgestellt, außerdem sind Fundamente für weitere 640 Anlagen in der Nordsee und 80 in der Ostsee gelegt worden. Das Problem der großen Lärmentwicklung beim Bau, das die Meeresfauna extrem beeinträchtigt, scheint gelöst zu sein durch eine neue Technik, die die Fundamente nicht in den Meeresboden rammt, sondern mit einer Art Riesensaugnapf festsaugt.

Das ist das BSH

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in der Bernhard Nocht Straße 78 gehört zum Verkehrsministerium. In den kommenden Jahren werden dort durch Generationenwechsel rund 200 bis 300 Arbeitsplätze für Ingenieure, Nautiker, Kartografen, Ozeanografen, Juristen, Datenbank-Experten, Informatiker, Elektroniker und andere Fachleute frei.
Die wichtigste Arbeit des BSH: Daten sammeln, um verlässliche Informationen zu bekommen: zur Entwicklung der Meere, zur Beschaffenheit der Meeresböden, zu Klimaveränderungen, zur Einhaltung von Gesetzen zum Umweltschutz, zu Grenzwerten im Umweltschutz.
Sogar in der Archäologie mischt das BSH mit - so gibt es eine Wrack-Datenbank, in der 2.500 gesunkene Schiffe in Nord- und Ostsee verzeichnet sind. Und das BSH hat die vermutlich größte Flaschenpost-Sammlung der Welt mit knapp 700 Briefen; der älteste ist aus dem Jahr 1864.
Tag der offenen Tür ist in diesem Jahr am 4. Juni. Dann wird auch das Forschungsshiff WEGA zu besichtigen sein.
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