Ruß auf dem Kaffeetisch

Schwarzer Rauch: Nach Berechnungen des Umweltverbandes BUND erzeugt ein Kreuzfahrtschiff pro Passagier und Kilometer mehr als dreimal so viel Kohlendioxid wie eine Boeing 747.

Altonaer Balkon: Schiffsabgase stören Parkbesucher –
SPD: Landstromversorgung spätestens 2014

Von Christopher von Savigny.
Wenn Ilka Bönninghoff morgens die Tische abwischt, wird der Lappen pechschwarz. „Das sind Rußperlen“, sagt die Betreiberin des Cafés „Altonas Balkon“, das sich im Grünzug unterhalb der Palmaille befindet. Seitdem vor knapp zwei Jahren das Kreuzfahrtterminal Altona an den Start ging, haben Cafébesucher wie auch Anwohner mit dreckiger Luft zu kämpfen.
Diese quillt aus den Schloten der großen Passagierdampfer, die in kaum 300 Metern Entfernung am Kreuzfahrtterminal Altona vor Anker liegen. Der Lärm der Dieselmotoren an Bord tut sein Übriges, um den Erholungssuchenden am Altonaer Balkon den Ausflug zu verleiden. Ilka Bönninghoff hat ihr kleines Café (17 Plätze drinnen, 80 Plätze draußen) seit 2008 von der Stadt gepachtet – kurz bevor der Grundstein für das „Cruise Center Altona“ gelegt wurde. „Dabei hatte ich mich damals extra noch nach Bauvorhaben erkundigt“, so die Cafébesitzerin. „Aber es hieß, es sei nichts geplant.“
Die Luftverschmutzung durch Kreuzfahrtschiffe beschäftigt seit mehreren Jahren die Gemüter in der Hansestadt. Abhilfe soll der Anschluss ans städtische Stromnetz schaffen. Als Alternative sind schwimmende Gaskraftwerke im Gespräch, die sich „Power-Barges“ nennen. In diesem Zusammenhang hat die SPD-Bürgerschaftsfraktion aktuell einen Antrag im Rathaus eingebracht, der die Hamburg Port Authority (HPA) dazu auffordert, die Landstromversorgung voran zu treiben. „Dies hätte den Vorteil, dass alle notwendigen Schritte wie Grundstückserschließung, Bau, Betrieb und Wartung von einem Akteur umgesetzt werden könnten“, sagt die SPD-Abgeordnete Anne Krischok. Zur Finanzierung sollten Bundes- und EU-Fördermittel eingeworben werden. Noch vor Ablauf der Kreuzfahrtsaison 2014 will die SPD das erste Schiff im Hamburger Hafen an die Steckdose anschließen.
Zu den Luftschadstoffen der „großen Pötte“ zählen in erster Linie Schwefeldioxid, Stickoxide und Feinstäube. Die HPA hat jetzt eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich mit der Land-stromversorgung befasst. „Zunächst prüfen wir den geeigneten Standort für die Technik und bereiten dann parallel die Ausschreibung vor“, sagt HPA-Sprecherin Sinje Pangritz.
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