Rollstuhl weg - wer zahlt?

Ein Joystick ist alles, was Regine Hust und ihrer Chihuahua-Hündin „Susi“ vom neuen Rollstuhl geblieben ist. (Foto: cvs)

Unbekannte klauen Hightech-Mobil aus Treppenhaus

Von Christopher von Savigny.
Mit dem Joystick auf zwei Rädern unterwegs – zum Einkaufen, Besorgungen machen oder einfach, um mal frische Luft zu schnappen: Ihr neuer Rollstuhl bedeutete für Regine Hust ein Stück Lebensqualität. „Ich bin zu 100 Prozent schwerbehindert, habe Arthrose und Parkinson“, erklärt sie. „Zu Fuß kann ich mich kaum noch fortbewegen.“ Doch jetzt wurde ihr das Hightech-Mobil quasi unter der Nase weggeklaut. Wert: knapp 6.000 Euro. „So viel Geld habe ich nicht übrig“, sagt sie. „Außerdem brauche ich dringend einen neuen.“
Rückblick: Am 18. Oktober kehrt Hust von einem Arztbesuch zurück. Ihr Gefährt stellt sie im Hausflur hinter der Eingangstür ab, schließt die Räder zusammen und nimmt Steuerung und Batterie mit nach oben in den dritten Stock. Normalerweise hätte ihr Pfleger den Stuhl in den Keller getragen, doch ausgerechnet an dem Tag hat er frei.
Wenige Stunden später ist das Gerät verschwunden. Hust ist sich sicher, dass sie jemand beobachtet haben muss. „Von außen durch die Butzenscheiben kann man nämlich nichts sehen“, sagt sie „Und ins Treppenhaus kommt man nur, wenn man irgendwo klingelt.“
Hust hat mächtig Stress bekommen mit ihrer Versicherung und mit dem Sanitätshaus, das den Rollstuhl zur Verfügung stellte. „Sie sagen, ich hätte mich gegen Diebstahl versichern sollen. Doch davon wusste ich nichts. Und es stand auch nicht im Vertrag“, so Hust.
Als sich das Wochenblatt beim Ausrüster meldet, scheint der Ärger halbwegs verraucht zu sein: „Eigentlich müsste ich 4.500 Euro von Frau Hust verlangen, denn so viel war allein der Motor wert“, meint Nikolai Scheltow, Innendienstleiter im Sanitätshaus Loose. Inzwischen habe man sich entschieden, doch keine Ansprüche geltend zu machen. „Aber sie kann nicht verlangen, dass sie den nächsten Rollstuhl umsonst von uns bekommt.“
Den Verlust wird sich das Sanitätshaus mit Husts Versicherung, der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK), teilen müssen. Zum Einzelfall will Karl-Heinz Peifer, Leiter des Leistungsbetriebs in Hamburg, nicht Stellung nehmen. „Aber wenn die Dame ihren Rollstuhl in der beschriebenen Weise abgestellt hat, kann man Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit wohl ausschließen.“ Dann sei der Versicherte nicht haftbar.
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