Roller gekauft – und liegengeblieben!

Bei A.T.U in der Stresemannstraße hat Albert Franz (64) den günstigen Roller erstanden. Foto: CVS

Frührentner (64) fühlt sich übers Ohr gehauen – Händler lenkt jetzt ein

Ch. v. Savigny, Bahrenfeld
„Ich bin völlig verzweifelt“, sagt Albert Franz (64). Anfang September hatte sich der Frührentner bei A.T.U. (Auto-Teile-Unger) in der Stresemannstraße einen neuen Motorroller gekauft – zu einem unschlagbaren Preis von 1.100 Euro. Doch das nigelnagelneue Gefährt machte wenig Freude: Bereits bei der ersten Fahrt ging unvermittelt der Motor aus.
Franz startete seine Maschine erneut, doch die Macke blieb: Immer wieder soff ihm der Motor ab. „Einmal wäre ich fast von einem Laster überfahren worden, weil ich nicht von der Stelle kam“, berichtet er aufgebracht. Nun möchte er seinen Roller am liebsten ganz loswerden – auch deshalb, weil das Gefährt in China produziert wurde. „Das hat man mir vorher anders gesagt“, so Franz. „Ich fühle mich betrogen und will mein Geld zurück.“


Den Roller vom Mundeabgespart

Doch die A.T.U.-Werkstatt hält den Kunden hin: Geld zurück gibt’s nicht, dafür soll der Roller (Marke: „Explorer Vertigo“) repariert werden. Allerdings finden die Mechaniker den Fehler nicht. Erst hat angeblich die Zündkerze Schuld, später ist es das Steuergerät, dann der Vergaser. Seit über drei Wochen steht der Roller jetzt in der Werkstatt. Man warte auf Ersatzteile, heißt es vor Ort. Gefahren ist Albert Franz noch kaum damit.Bitter: Bis vor kurzem besaß Franz einen Roller aus italienischer Herstellung, mit dem es keinerlei Probleme gab. Aus gesundheitlichen Gründen hatte er ihn abgegeben – nun ist er jedoch wieder darauf angewiesen. Der 64-Jährige hat Krebs, die Ärzte geben ihm nur noch ein Jahr Lebenszeit. Zudem musste er sich den Billigroller vom Munde absparen, von den Verwandten kam ein kleiner Zuschuss. Jetzt will A.T.U. dem Käufer entgegenkommen: „Wenn es auch nicht am Vergaser liegt, bekommt Herr Franz sein Geld zurück“, verspricht Filialleiter Marcel Bleske.
Verkäufer darf erst mal
reparieren
Laut Verbraucherzentrale Hamburg muss der Kunde dem Verkäufer die Möglichkeit zur „Nacherfüllung“, hier: Reparatur oder Nachbesserung, geben. „Ich würde dringend dazu raten, eine Frist zu setzen“, sagt Pressesprecherin Julia Rehberg. Ein gesetzlich verbrieftes Recht auf Rückgabe bestehe lediglich bei Verkäufen über das Internet oder das Telefon. Beim Filialkauf gibt’s das jedoch nicht – dort sei man auf die Kulanz des Verkäufers angewiesen. Und zum Thema Herstellungsland: „Wenn darüber mündlich im Vorfeld gesprochen wurde, gilt das als Beschaffenheitsvereinbarung, die eingehalten werden muss.“
Der Käufer müsse dies allerdings beweisen.
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