"Rohrkrepierer erster Güte!"

71 Flaschen Äther gebunkert – trotzdem kaum Anhaltspunkte für Drogenvorwurf gegen Blankeneser Apotheker.

Von Christopher von Savigny.
Was er von der Sache hält, macht der vorsitzende Richter unmissverständlich klar: „Das ist ein Rohrkrepierer erster Güte“, sagt er in Richtung Staatsanwaltschaft. Diese habe sich in ihren Ermittlungen „vollständig vergaloppiert“. Für eine Verurteilung reichten die Beweise bei weitem nicht aus.
Und nun sitzen sie doch alle beisammen im Verhandlungssaal des Amtsgerichts Blankenese – und wissen nicht so recht, warum eigentlich: der Richter, der Staatsanwalt und der Angeklagte mit seinen beiden Verteidigern. Der Vorwurf: Im Herbst 2012 soll Maurice K. (45), Apotheker aus Blankenese, insgesamt 71 Liter Diethyläther bestellt haben, eine hochentzündliche Flüssigkeit, die früher unter dem Namen Ether oder Äther als Rausch- und Narkosemittel Verwendung fand. 42 Liter davon habe K. weiterverkauft, den Rest in seiner Tiefgarage gelagert. Die Anklage wirft ihm vor, den Äther zur Herstellung von Amphetaminen benötigt zu haben. Doch die Anschuldigung – so stellt es sich mehr und mehr heraus – steht auf denkbar wackeligen Füßen.
Im Oktober 2012 hatten Polizeibeamte K.s Wohnung in Blankenese sowie seine Apotheke am Neuen Pferdemarkt durchsucht. Ergebnis: 29 Flaschen des besagten Äthers, außerdem 78 Tabletten der Ersatzdroge Subutex. „Razzia in der Drogenvilla“ konnte man am nächsten Tag in der Zeitung lesen. Die Ermittler hatten im Vorfeld großen Aufwand betrieben, Telefone abgehört, Verdächtige beobachtet und Kontoauszüge überprüft.
Warum der immense Einsatz, das wurde auch vor Gericht nicht klar. Denn K., so berichten seine Verteidiger, war als Apotheker zum Handel mit Diethyläther berechtigt. Der Polizei hatte er sogar entsprechende Quittungen vorgelegt. Überdies seien die gefundenen Tabletten schon vor Jahren abgelaufen gewesen. Ihr Mandant habe alte Medikamente oft von seiner Apotheke aus mit nach Hause genommen, um sie am nächsten Tag beim Recyclinghof abzugeben, stellen die Anwälte klar.
K. selbst will zur Sache nichts sagen. Und auch dem Staatsanwalt scheint nicht viel einzufallen, womit er noch punkten könnte. Eine Einstellung des Verfahrens kommt für ihn dennoch nicht in Betracht. Die Verhandlung wurde in dieser Woche fortgesetzt, das Ergebnis stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.
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