Richtigparker abgezettelt

Nur weil Sabiene Behnke protestierte, wurde die Straßenverkehrsbehörde aufmerksam auf ein Halteverbot, das hier gar nicht hingehört. Jetzt wird das Schild abgebaut.

Halteverbotsschild stand falsch - und galt sowieso nicht. Egal: Kontrolleure verteilten trotzdem Strafzettel

Zum 1. Januar 2014 wurde der Bezirkliche Ordnungsdienst BOD aufgelöst. Die Aufgabe, Falschparker abzuzetteln übernahm der neu gegründete Landesbetrieb für Parkraumüberwachung. Der scheint aber gelegentlich keine Ahnung zu haben, was er vor Ort tut.
30 Jahre lang lebt Sabiene Behnke schon in Altona-Altstadt. Und in der ganzen Zeit konnte sie ihr Auto unbehelligt in der Louise-Schröder-Straße vor dem Dänischen Bettenlager auf dem Parkstreifen abstellen. Heißt ja auch Parkstreifen.
Doch jetzt hingen an Behnkes Auto und an allen anderen, die dort standen, Zettel: Kostenpflichtige Verwarnungen wegen Haltens im Halteverbot.
Welches Halteverbot? Weit und breit steht kein Schild. Doch! Nämlich hinter der Litfaßsäule am Ende des Parkstreifens. Das Schild ist schwerer zu finden als ein Osterei: Man muss auf Verdacht um die Litfaßsäule herumgehen, um hinter der Säule nachzugucken, ob man vor der Säule parken darf. Eine Posse. Aber als Behnke sich beschwerte, blieb man hart: 25 Euro sollte sie zahlen.
Sie rief das Wochenblatt an. Das rief die Polizeiwache Mörkenstraße an. Dort winkte man ab: „Das waren wir nicht, das war der Landesbetrieb Parkraumbewirtschaftung“. Hinterher noch Gegrummel, nicht für die Veröffentlichung gedacht: Irgendwas von totalem Quatsch, das geht gar nicht und der BOD hätte sowas nie gemacht, die Polizei sowieso nicht...
Das Wochenblatt war vor Ort - und siehe da: Das Schild ist plötzlich mit Leuchtband abgeklebt, mit einem knallroten X durchgestrichen. Recherche: Wer hat das veranlasst? Wieder eine andere bürokratische Stelle: die Straßenverkehrsbehörde.
Angerufen, nachgefragt. Die Auskunft ist überraschend: Egal ob vor oder hinter einer Litfaßsäule - dieses Schild gilt sowieso nicht für den Parkstreifen! „Ein Halteverbotsschild gilt immer nur für das Halten am Fahrbahnrand. Wenn das Halten auch auf dem Parkstreifen verboten ist, hängt ein Zusatzschild am normalen Halteverbotsschild. Die Dame hat also nichts falsch gemacht.“
Und dann erzählt der Mitarbeiter der Straßenverkehrsbehörde, dass das Schild ohnehin nur noch versehentlich da steht: „Irgendwann war da eine Ladezone, und hinterher hat man vergessen, es wegzuräumen.“ Das Halteverbotsschild wird abmontiert.
Aufgabe der neuen Spezialeinheit Landesbetrieb für Parkraumüberwachung: der Stadt bis zu 35 Millionen Euro Mehreinnahmen pro Jahr über Strafzettel hereinzuholen. „Falschparkern soll es jetzt an den Kragen gehen“, titelte die Hamburger Morgenpost zum Start.
Richtigparkern anscheinend auch.
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