Rendite mit Senioren

Pflegen & Wohnen Lutherpark liegt in Bahrenfeld, in direkter Nähe zum Lutherpark und zum Altonaer Volkspark. Foto: pflegen und wohnen

Pflegen & Wohnen an US-Finanzinvestor verkauft

Olaf Zimmermann, Hamburg-West

Ende Mai bot Pflegen & Wohnen Hamburg (P&W) in seinen Einrichtungen insgesamt 2.691 Plätze für Pflegebedürftige an. Allein bei P&W an der Thadenstraße in Altona leben 168 Menschen, bei P&W Lutherpark in Bahrenfeld weitere 70. Den Bewohnern stehen unruhige Zeiten bevor. Pflegen & Wohnen ist an den US-Investor Oaktree verkauft worden – eine der Gesellschaften, die nach der Devise „Kaufen, plündern, wegwerfen“ vorgehen und so überdurchschnittliche Renditen erzielen.Wie konnte es soweit kommen? 2006 hatte der damalige CDU-Senat unter Ole von Beust die städtische Einrichtung Pflegen & Wohnen mit ihren 13 Standorten an private Investoren verkauft. Die neuen Eigentümer durften die Pflegeheime frühestens nach zehn Jahren weiterveräußern. Diese Frist ist abgelaufen.
Bei Pflegen & Wohnen Hamburg sind derzeit rund 1.800 Mitarbeiter beschäftigt. Konkrete Angaben über aktuelle Belegungszahlen und Grundstücksgrößen der 13 P&W-Standorte „können wir leider nicht herausgeben“, teilte ein Sprecher der derzeitigen Eigentümer mit. Im Geschäftsjahr 2015 habe die Pflegen & Wohnen Hamburg GmbH Umsatzerlöse von 98,4 Millionen Euro und einen Jahresüberschuss von 3,6 Millionen Euro erzielt. 
Was macht P&W für einen Finanzinvestor attraktiv? Sechs der insgesamt 13 Standorte sind planungsrechtlich nicht als Pflegeeinrichtungen gesichert. So könnten beispielsweise in Fuhlsbüttel, Marienthal oder in Heimfeld an Stelle der Pflegeheime Wohnungen oder Büros entstehen. Hier hat der Senat jetzt einen Riegel vorgeschoben. „Wir haben das Ziel, die Einrichtungen von Pflegen und Wohnen an den aktuellen Standorten zu erhalten“, teilte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks mit. „Außerdem wird der Senat durch Veränderungssperren und Anweisungen an die Bezirke dafür sorgen, dass auch kurzfristig keine Bauanträge genehmigt werden können, die einem weiteren Betrieb von Alten- und Pflegeheimen an diesen Orten entgegenstehen.“
Welche Auswirkungen hat ein Verkauf von P&W an den US-Finanzinvestor für die Bewohner der Einrichtungen? Klaus Wicher, Hamburger Landesvorsitzender des Sozialverbands Deutschland, befürchtet: „Mir kann niemand glaubhaft erzählen, dass es den Menschen in einem Pflegeheim besser geht, wenn Rationalisierungen und der Umbau zu einem Profit-Center im Vordergrund stünden. Ein Pflegeheim ist keine Fabrik.“

Oaktree

Die US-amerikanische Investmentgesellschaft Oaktree Capital mit Hauptsitz in Los Angeles verwaltet ein Kapital von Anlegern im Millarden- US-Dollar-Bereich. Ziel ist es, deutlich überdurchschnittliche Renditen zu erzielen, wofür höhere Risiken in Kauf genommen werden. Auf Grund dieser Anlagestrategie wird Oaktree Capital als „Hedgefonds“ eingestuft. In Deutschland ist Oaktree durch den Einstieg bei der inzwischen insolventen Bremer Reederei Beluga Shipping in die Schlagzeilen geraten. Dort hatte der US-Finanzinvestor mit einer Rendite von bis zu 30 Prozent gerechnet. Eine Marke, die mit dem Betrieb von Alten- und Pflegeeinrichtungen nicht zu erzielen ist.
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