Radweg-Posse in Ottensen

Noch da, wenn auch kaum zu erkennen: das Zusatz-Verkehrszeichen mit der Bezeichnung „1022-10“. Foto: cvs

An der Ottenser Hauptstraße ist Radeln verboten –
nur weiß das noch niemand

Von Christopher von Savigny. Das Schild ist derart mit Werbung und Aufklebern zugekleistert, dass man es kaum entziffern kann: „Radfahren erlaubt" besagt das kleine Piktogramm am Eingang der Fußgängerzone Ottenser Hauptstraße. An das eigentlich völlig unleserliche Verkehrszeichen haben sich Ottensens Radler sowieso schon immer gehalten – ob sie es denn gesehen haben, sei mal dahingestellt.
Schon seit 1979 ist das Radfahren in der Ottenser Hauptstraße erlaubt, doch nun soll damit Schluss sein: Im Februar hat die Straßenverkehrsbehörde ein Verbot ausgesprochen – nach 36 Jahren. Die Anordnung erstreckt sich auch auf den Fußweg südlich des Bahnhofs. Bloß: Da die Schilder immer noch nicht abmontiert wurden, kann auch weiter geradelt werden.
Die Altonaer Radfahrproblematik wurde zuletzt eifrig im bezirklichen Verkehrsausschuss dis-kutiert. Denn dass die Radler irgendwohin ausweichen müssen, bleibt unbestritten. Ein „Rad-Schnellweg“ durch die Fußgängerzone wurde vorgeschlagen – und wieder verworfen. „Das ist eine Illusion", sagt Eva Botzenhart (Grüne). Erstens sei dort aufgrund der vielen Bäume, der gemauerten Einfassungen und der Straßencafés überhaupt kein Platz. „Außerdem wollen wir den Radverkehr nicht zugunsten der Fußgänger bevorzugen", so die Verkehrspolitikerin.

Fußgänger und Radfahrer: Das passt nicht dauerhaft?

Auch Ute Naujokat, Fachsprecherin der SPD im Verkehrsausschuss, glaubt nicht daran, dass Radfahrer und Fußgänger auf Dauer miteinander auskommen. „Als Fußgänger hätte ich in der Ottenser Hauptstraße auch Angst", sagt sie. Naujokat hofft auf die schon seit Jahren geplanten „Vélorouten", von denen bislang erst kleine Teile realisiert wurden. „Wir warten darauf, dass das umgesetzt wird", so Naujokat.
Vorerst gilt: Bitte weiterradeln! Allerdings im Schritttempo, denn so will es die Straßenverkehrsordnung. Dass es bei durchschnittlich fünf Stundenkilometern äußerst schwer fallen dürfte, das Gleichgewicht zu halten, kümmert den Gesetzgeber wahrscheinlich weniger.
Laut Bezirksamt sollen Radfahrer künftig südlich (über die Eulenstraße) und nördlich (via Hahnenkamp/Große Rainstraße) um die Fußgängerzone herumgeleitet werden. „Die Umleitungsschilder sind bestellt", sagt Sprecher Martin Roehl. „Sobald sie angekommen sind, werden die alten Schilder ab- und die neuen angeschraubt."
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