Radfahrer, absteigen!

Protest gegen das Radelverbot: ADFC-Mitglieder (mit Sprecher Dirk Lau, 3. v. li.) und Radbegeisterte in der Ottenser Hauptstraße. (Foto: Benjamin Harders (ADFC))

Bahnhof Altona Polizei verbietet das Radfahren. Bezirk sucht nach Alternativen

Von Ch. v. Savigny.
Rund um den Bahnhof Altona müssen Radfahrer ihren Drahtesel künftig schieben. Dies geht aus zwei neuen Anordnungen der Straßenverkehrsbehörde hervor. Danach ist das Radfahren auf dem Gehweg an der Bahnhofsüdseite und in der Fußgängerzone Ottenser Hauptstraße ab sofort verboten. Die dort befindlichen Schilder mit dem Hinweis „Radfahrer frei“ sollen abmontiert werden. Begründet wird die Maßnahme damit, dass die Verkehrsfläche noch nie offiziell für Radfahrer freigegeben war. „Die Widmung der Ottenser Hauptstraße ist ausschließlich auf den Fußgänger- und Wirtschaftsverkehr der Anliegerbeschränkt“, heißt es in der Mitteilung. Im Wesentlichen geht es wohl darum, die Verkehrssituation rund um den Bahnhof zu entspannen.
Dagegen wehrt sich der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC): „Es gibt dort keinen Konflikt zwischen Fußgängern und Radfahrern, daher ist es nicht ersichtlich, warum die Polizei aktiv geworden ist“, sagt ADFC-Pressesprecher Dirk Lau. Aus Sicht des ADFC sei es ein „Fiasko“, wenn der Radverkehr in diesem Bereich verboten würde. Der Hamburger Verband fordert nicht nur eine Rücknahme des Radelverbots, sondern auch zusätzliche Fahrradparkplätze sowie einen „Radschnellweg“, über den man als Radler zügig von Ost nach West gelangen kann.
Das Thema wird derzeit auch intensiv im Verkehrsausschuss des Bezirks behandelt. „Es wird auf jeden Fall ein Provisorium geben“, sagt Tim Schmuckall, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Auf dem stark frequentierten Gehweg zwischen Bahnhof und Busbahnhof soll eine Markierung angebracht werden, die Zweiradfahrern die Benutzung übergangsweise erlaubt. Auf Dauer wünscht sich
Schmuckall jedoch etwas Endgültiges. „Denkbar wäre zum Beispiel eine geteilte Fußgängerzone mit einem Radweg in der Mitte der Ottenser Hauptstraße“. Dies sei allerdings mit aufwändigen Bauarbeiten verbunden, da dort etliche Bäume und Schaukästen im Weg stünden.
Für den Bezirk kommt die polizeiliche Verordnung zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: Die Altonaer Verwaltung hatte erst im letzten Jahr ein Konzept zur Verbesserung des Radverkehrs in Auftrag gegeben. Neue Radwege und Stellplätze werden zurzeit in den Ausschüssen diskutiert. Doch vorerst heißt es: Schieben!
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Barbara Brons aus Eimsbüttel | 01.07.2015 | 22:57  
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