Quartiersentwicklung Stahltwiete: Kutterkinder suchen neue Bleibe

Kutterkinder und Eltern in der Stahltwiete 13
 
Neben Bootsbau wird auch Segeln und Rudern gelernt
„Kutterkinder setzen Altona unter Segel“. Das Motto des Kutterkinder e.V. findet ab dem 1. Mai zunächst ein jähes Ende. Denn der Verein, der mit Kindern und Jugendlichen in der Fabrikhalle an der Stahltwiete einen Vollholzkutter saniert, muß den Abrissbaggern der Quartiersentwicklung „Bahrenwelt“ weichen. Und es fehlt bislang ein neues zuhause.

Das Projekt wurde 2009 von einer Eltern-Schüler-Initiative der Rudolf-Steiner Schule in Altona ins Leben gerufen. Es vermittelt Kindern und Jugendlichen was es rund um den Bootsbau, die Pflege sowie das Rudern und Segeln eines Vollholzschiffes zu lernen gibt.
Besonders schade: Der Kutter steht kurz vor dem Stapellauf. Werftleiter Klas Klauberg erzählt:
“Wir sanieren den Kutter im Tempo der Kinder und Jugendlichen: es dauert, so lange wie es dauert. Wir haben bereits über 1000 Arbeitsstunden hinter uns. Diesen Sommer werden wir wohl fertig sein. Aber zum 30. April ist es nicht zu schaffen. Die Kündigung war abzusehen, aber sie trifft uns dennoch schwer. Das Projekt lebt auch von der Nähe zur Elbe und den umliegenden Schulen. Die Kinder kommen zum Teil mit dem Fahrrad her. Etwas vergleichbares wird schwer zu finden sein.“

Kulturraum geht verloren
Der Verein will den Kindern die Möglichkeit geben, auch den historischen Bezug zum Stadtteil zu entdecken, in dem sie wohnen. Dafür wurde er von der Aktion „Anstiften – 50 Impulse für Hamburg“ ausgezeichnet.
„Kinder, die heute die Fischersallee zur Elbe hinab laufen, wissen oft nicht, dass Altona 1535 als Fischerdorf gegründet wurde und viele berühmte Bootsbauer und Segler aus Altona kamen“ sagt Vereinsvorstand Kai Ulrich. „Das wollen wir ändern.“ So geht mit dem Abriss des historischen Fabrik-Geländes ein Stück Bahrenfelder Kulturraum verloren. Denn in der Stahltwiete wurde traditionell immer handwerklich gearbeitet.


Kein Platz für Kinder
„Büros mit Charme...“ So stellen sich die Projektentwickler das neue Quartier in Bahrenfelds Stahltwiete/Ecke Celsiusstraße vor. Dass dafür alt eingesessene Gewerbetreibende, Künstler, ein Kindergarten und der Verein Kutterkinder ab Mai auf der Straße sitzen, lässt sich im Projektplan „Bahrenwelt“ nicht ablesen. Und so suchen die etwa vierzig Schüler, Eltern und Betreuer des Projektes eine neue Halle.
Wer einen Hinweis für eine Halle für die Kutterkinder, auch nur zum Übergang, hat meldet sich per E-Mail bei info@kutterkinder.de

Ein Plätzchen zum Arbeiten und Feiern
Mit einem Kutterfest wurde das Schiff und die Kutterhalle im Oktober 2009 erstmals einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt. Die von einer Altonaer Immobilienfirma günstig angemietete Halle in der Stahltwiete und der offene Projektrahmen boten viele Möglichkeiten: Generationen- und schichtenübergreifend wurden für jedes Alter unterschiedliche Projekte durchgeführt: Foto- und Videodokumentationen, Medienarbeit, Bootsbau und Segeln lernen, Tampen knoten, Holz bearbeiten, Klassenausflüge, Hortprojekte und Kooperationen mit anderen Initiativen wurden umgesetzt. Die Kutterhalle bot darüber hinaus Platz für Schul-Veranstaltungen und Feste.
So ist den Kutterkindern eines schon gewiss: Am Samstag, den 28. April wird es eine Abschiedsparty mit allen Anliegern und Mitmietern des Geländes geben.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.