Putzen verboten!

Lona Holz (r.) und ihre Töchter Vera Stemmann (oben) und Angelika Bötel können nicht verstehen, warum der Familienservice alten Menschen, die wenig Rente haben, nicht mehr beim Putzen helfen darf.

Arbeitsamt verbietet Aktivjobbern, alten Menschen im Haushalt zu helfen. Das hat schlimme Folgen für bedürftige Senioren und Ein-Euro-Kräfte in Lurup, Eimsbüttel, Osdorf und Altona.

Die 86-jährige Lona Holz ist verzweifelt, ihre Töchter Vera Stemmann (67) und Angelika Bötel (63) sind empört. Ihre Mutter muss vielleicht ins Heim – nur, weil das Jobcenter den Ein-Euro-Kräften des Luruper „Familienservice“ am Lüdersring verboten hat, bei armen, alten Menschen zu putzen.
„Mutti kann sich nicht bücken und kaum gehen“, sagt Vera Stemmann. Da waren die Ein-Euro-Kräfte vom Familienservice eine große Erleichterung. Sie haben erledigt, was Lona Holz nicht mehr schafft: Bad und Küche geputzt und auch mal die Fenster. Und den Fußboden gewischt. „Von einem Tag auf den anderen war Schluss,“ erzählt die alte Dame.
„Ein Unding“, schimpft Vera Stemmann. „meine Mutter hat so wenig Geld, dass eine Heizungsnachzahlung ein Riesenproblem ist. Und ständig hat sie Angst, zu viel Strom zu verbrauchen. Wir helfen, wo wir können, aber wir haben selbst nur eine schmale Rente. Eine reguläre Putzhilfe ist einfach nicht drin!“
„Was machen die Alten, die keine Familie haben? Das bricht denen doch das Rückgrat“, sagt ihre Schwester. „Die müssen ins Heim“, antwortet Vera Stemmann und fügt hinzu: „Ich werde nie zulassen. dass meine Mutter ins Heim kommt, nur, nur weil sie nicht selbst putzen kann.“
Ingrid Bauer ist Geschäftsführerin des Vereins Koala, der in vier Stadtteilen Familienhilfe anbietet und nun an allen Fronten Schwierigkeiten bekommt. Denn auch die Ein-Euro-Jobber von den Helpslüüd in Eimsbüttel, dem FamilienService Osdorf und dem StützPunkt (Altona) haben geputzt. „Bei einer Prüfung hat Team-Arbeit Hamburg festgestellt, dass wir Reinigungsarbeiten und Fahrdienste durchführen. Beides dürfen wir nicht mehr, weil wir dadurch Arbeitsstellen verdrängen.“
Wer unter diesem Verbot zu leiden hat, beschreibt die Leiterin des Familienservice in Lurup, Katja Buck-Weißmann: „Zum Beispiel diese alte Frau, fit wie ein Turnschuh, die aber einfach keinen Überblick mehr über das hat, was im Haus getan werden muss. Die wäre in zwei Wochen komplett verwahrlost.“
Doch auch die Ein-Euro-Jobber sind betroffen. Sie haben eine Arbeit geleistet, die dringend nötig und mit großer Dankbarkeit und Wertschätzung verbunden war. Was kommt stattdessen? Beschäftigungstherapie? Sinnentleerte Tätigkeiten? Putzen jedenfalls geht nicht mehr. Ingrid Bauer: „Wenn wir weitermachen, riskieren wir die sofortige Schließung.“
Das Jobcenter hält sich derweil bedeckt. Pressesprecherin Kirsten Maaß: „Die Prüfung läuft , abschließende Entscheidungen sind noch nicht getroffen.“

Das Luruper Forum hat eine Erklärung verfasst, in der unter anderem klargestellt wird: „Die vom Familienservice unterstützten Menschen verfügen nicht über die finanziellen Mittel, mit denen sie selbst eine Reinigungskraft bezahlen könnten. Das Reinigen im Haushalt hat außerdem eine wichtige soziale Funktion: Für viele, die aufgrund ihrer Einschränkung isoliert leben, ist das Allerwichtigste der soziale Kontakt, der ihnen durch die AGH-Teilnehmer zuteil wird. Dieser Kontakt fällt beiden Seiten leichter, wenn er mit einer gemeinsamen Aktivität im Haushalt verbunden ist..“

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Jahrelang waren alle zufrieden: Bedürftige Senioren, dass ihnen im Haushalt geholfen wurde, Aktivjobber, dass sie Arbeit erledigten, die wirklich nötig war. Und jetzt grätscht die Bürokratie dazwischen und würgt ein gutes Projekt ab. Unmöglich! Sind Sie dieser Meinung?
Oder sagen Sie: Was soll das Gejammere? Ein-Euro-Kräfte dürfen nunmal keine Arbeit machen, mit der ein Berufstätiger Geld verdienen könnte. Wo kämen wir sonst hin?
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