Protzen bei der Seilbahn, knapsen am Personal?

Protest: Dresser vom Operettenhaus nutzten eine Infoveranstaltung zur geplanten Seilbahn, um gegen ihre Ausgliederung zu demonstrieren. (Foto: cvs)

Sparmaßnahme von Stage Entertainment: Angestellte sollen zu Leiharbeitsfirma wechseln

Von Christopher von Savigny
Abend für Abend helfen sie den Darstellern beim Umkleiden während der Show und kümmern sich um das Reinigen der Kostüme. Wenn eine Naht reißt oder ein Knopf abfällt, bringen sie das Malheur mit Nadel und Faden wieder in Ordnung. Doch jetzt bangen die 30 Dresserinnen und Dresser vom Operettenhaus auf der Reeperbahn um ihre Jobs. Hintergrund: Ihr Arbeitgeber, die Stage Entertainment GmbH, will seine Mitarbeiter aus Kostengründen an eine Leiharbeitsfirma ausgliedern.
Die Gewerkschaft ver.di rechnet mit Lohneinbußen und deutlich schlechteren Arbeitsbedingungen. „Wir finden es nicht richtig, dass Billigjobs jetzt auch bei Musicals Einzug halten“, sagt Agnes Schreieder, stellvertretende Landesleiterin von ver.di Hamburg.
Am Operettenhaus läuft noch bis September 2012 das Musical „Sister Act“, anschließend soll das Boxerdrama „Rocky“ Premiere feiern. Dazwischen liegen laut Stephan Jaekel, Sprecher von Stage Entertainment, zwei Monate, in denen Mitarbeiter wie die Dresser nichts zu tun haben, aber trotzdem weiter bezahlt werden. Auch sonst gebe es immer mal wieder Leerlauf. „Auf lange Sicht rechnen sich flexible Arbeitszeiten besser für uns“ begründet Jaekel die Ausgliederungsmaßnahme. „Jährlich sparen wir dadurch 170.000 Euro ein.“ Für die Betroffenen sei das sicherlich nicht schön. „Emotional kann ich den Ärger verstehen“, so Jaekel. Das Operettenhaus bilde aber keine Ausnahme: „Wir haben bei allen unseren Häusern in Deutschland Mitarbeiter abgegeben, nur beim Theater im Hafen nicht, weil dort seit zehn Jahren dieselbe Show läuft“, erklärt Jaekel.
Erst im November hatte Stage Entertainment der Stadt Hamburg das Operettenhaus für 7,1 Millionen Euro abgekauft, bis 2014 soll neben dem Buddy-Holly-Zelt im Hafen eine vierte Spielstätte in der Hansestadt entstehen. Zu guter Letzt ist für 50 Millionen Euro eine Seilbahn über die Elbe geplant. Angesichts dieser Zahlen kommen ver.di die Sparmaßnahmen auf dem Jobsektor kleinlich vor. „Fast alle Dresser haben der Ausgliederung widersprochen“, berichtet Schreieder. Nach Auskunft von Stage Entertainment werden diese Mitarbeiter zum Herbst entlassen, bekommen aber eine Abfindung.
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1 Kommentar
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Katja Schröder aus Altona | 12.03.2012 | 15:41  
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