Protz-Portal für Obdachlose

Dolles Ding: Das Portal vor dem neuen Haupteingang „CaFée mit Herz“ am Zirkusweg. Die eigentliche Eingangstür zur Obdachlosen-Tagesstätte ist unten links zu sehen.

„CaFée mit Herz“ bekommt neuen Eingang für 150.000 Euro

Ein gestrandeter Fesselballon? Ein halber Bootsrumpf? Die Bewohner der Seniorenwohnanlage im Zirkusweg wunderten sich über ein Bauprojekt. Das Gebilde ist der neue Luxus-Eingang der benachbarten Obdachlosentagesstätte CaFée mit Herz. Kostenpunkt des protzigen Portals: 150.000 Euro.
„CaFée mit Herz“ ist eine auf Spenden angewiesene gemeinnützige Einrichtung. Tag für Tag bekommen hier rund 300 Arme, Kranke und Wohnungslose zu essen, können duschen und sich mit Kleidung versorgen. Über eine enge Treppe im Hof und durch eine schmale Tür gelangen die Gäste in die Kellerräume des CaFées.
Ab Mitte Februar soll das anders werden. Dann geht der Weg durch den Vordereingang. Auch hier eine Treppe runter und durch eine schmale Eisentür. Den Unterschied zum Hinterhofeingang macht das neue Portal: eine vor die Treppe gebaute gewaltige Konstruktion aus Brettschichtholz, überspannt mit einer Kunststoff-Plane. „Holzskulptur und Wetterschutz in Einem, ein Zeichen der Hoffnung und der Würde“, schreiben die Architekten Dalpiaz & Giannetti.
Anders gesagt: Für den Gegenwert einer Eigentumswohnung haben die Obdachlosen ein Regendach und viel anspruchsvolle Architektur bekommen. Einen barrierefreien Zugang dagegen nicht. Dafür muss man den Fahrstuhl an der Rückseite des Gebäudes suchen.
Carola Ensslen, Vorsitzende des SPD-Distrikts Eimsbüttel, schreibt auf ihrer Homepage: „Ist Menschen, die unsere Unterstützung brauchen, wirklich damit gedient, dass viel Geld in den Bau eines solchen Eingangs gesteckt wird? Wäre das Geld nicht besser direkt in unterstützende Maßnahmen geflossen?“
Also: Brote statt Bretter? Wäre leider nicht gegangen. Denn das Geld stammt aus dem Hamburger Investitionsfonds 2010. Der verteilte Geldspritzen für Baumaßnahmen, um in Krisenzeiten die Wirtschaft anzukurbeln.
Dem CaFée mit Herz fiel also durch die Finanzkrise ein Protz-Portal vor die Tür. Wolfgang Pollmer aus dem Vorstand des Vereins CaFée mit Herz scheint sich immer noch zu wundern: „Diese Spende ploppte irgendwie so auf, wir waren selber sehr erstaunt“. Und er fügt hinzu: „Ein anderer Eingang hätt es auch getan“.
Farid Müller, Bürgerschaftsabgeordneter der GAL, hatte das Geld damals lockergemacht. Frage an Müller: „Ist der Eingang nicht Geldverschwendung, überdimensioniert und zu luxuriös?“ Seine Antwort: „Ich finde diese Einwände etwas schäbig, als wäre ein würdiger Eingang um für Essen anzustehen, für Obdachlose nicht angemessen.“
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1 Kommentar
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Hans-Jürgen Andresen aus Altona | 27.01.2012 | 09:21  
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