Protestler lassen Info-Veranstaltung platzen

Eine Frau versucht, auf eine Protestlerin einzureden und zerrt am Transparent. (Foto: rs)
von Reinhard Schwarz
Sehr geehrte Damen und Herren, es ist mir eine große Freude, Sie begrüßen zu können …“ Weiter kam Frank Toussaint (SPD), Vorsitzender der Bezirksversammlung Altona, am Dienstagabend vergangener Woche im Kollegiensaal des Altonaer Rathauses nicht. Plötzlich begann eine Gruppe von rund 20 Personen mit Trillerpfeifen und Tröten ein lärmiges Spektakel. Zeitgleich wurden mitgebrachte Transparente enthüllt mit Parolen wie „Auf Räumung und Verfall folgt Besetzung und Krawall“. Oder, wesentlich kürzer: „Ihr baut nur Scheiße!“ In einem Flugblatt wurde ein „Selbstverwaltetes Stadtteilzentrum“ gefordert.
Etwa 30 Minuten trötete und lärmte die Gruppe, dann brach Toussaint entnervt die Veranstaltung ab. Vorher hatte er noch versucht, die Gruppe – angeblich „Linksautonome“ – zur Diskussion zu bewegen – ohne Erfolg.
Unter der Überschrift „Zwölf Monate Arbeit. Hundert Ideen“ wollten rund 200 Bürger das Resümee aus einem Jahr Beratungen ziehen. In zahlreichen Gruppen hatten zuvor Anwohner Interessierte unter dem Oberbegriff „Zukunftsplan Altona“ monatelang ohne Vorgaben über die Perspektiven für Altona-Altstadt, Altona-Nord und die Sternschanze diskutiert.
Politiker von SPD, GAL und CDU verurteilten die Protestaktion scharf. Hamburgs CDU-Chef Dietrich Wersich sprach von „Polit-Terror“, den „eine Bürgergesellschaft nicht tatenlos hinnehmen“ dürfe. In einer gemeinsamen Erklärung von SPD und GAL Altona heißt es: „Wer auf diese selbstherrliche Art und Weise die demokratische Willensbildung unterbindet, stellt sich ins Abseits.“
SPD-Planungsexperte Mark Classen erklärte noch im Kollegiensaal im Gespräch: „Das sind Fascho-Methoden wie in den 1920er und 1930er Jahren.“ Diesen Faschismusvorwurf weist Wolfgang Ziegert (Die Linke) zurück: „Das muss so eine Veranstaltung auch mal aushalten. Man muss Wege zum Dialog finden, auch in komplizierten Situationen.“
Allerdings stellt sich nunmehr die Frage, wie es mit der Bilanz zum Zukunftsplan Altona weitergehen soll, zumal neue Aktionen zu befürchten sind. Toussaint: „Dies wird auf jeden Fall nicht die letzte Veranstaltung zum Zukunftsplan gewesen sein.“
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1 Kommentar
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h. von Braun aus Altona | 23.09.2011 | 15:14  
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