Protest der Punks

„Wir wollen unsere Streeties behalten!“ Bauwagenleute, Punks, Obdachlose und andere Vertreter von Ottensens bunter Szene hatten sich organisiert und statteten der Bezirksversammlung im Rathaus Altona einen Besuch ab, um ihre Forderungen klar zu machen. Bei den Politikern fanden sie (fast) uneingeschränkte Unterstützung.

Drohende Stellenstreichungen bei den Ottensener Straßensozialarbeitern bringen deren Klientel auf die Barrikaden.

Erwischen die Sparmaßnahmen in Hamburg jetzt auch die, die dringend auf Hilfe angewiesen sind? Das befürchten in Altona viele, die auf die Unterstützung durch Straßensozialarbeiter angewiesen sind. Am Donnerstag vergangener Woche forderte knapp 100 Vertreter der Vereine Vogelfrei, Freies Kunterbunt, Wildwuchs und Pappnasen auf der Bezirksversammlung im Altonaer Rathaus: An Ottensens Straßensozialarbeit darf nicht gekürzt werden!
Zum Hintergrund: Einer der beiden Ottensener „Streeties“, Wilhelm W., geht 2015 in den Ruhestand. Er betreut vom Standort Braunschweiger Straße 1 aus gemeinsam mit Kollegin Steffi U. mehrere Hundert Menschen – Bauwagenbewohner, Obdachlose, Punks. Ob seine Stelle nachbesetzt wird, ist fraglich. Das Bezirksamt sagt auf Nachfrage weder Hü noch Hott: „Über eine mögliche Nachbesetzung wird zu entscheiden sein, wenn sich eine konkrete Vakanz abzeichnet“.
Punks und Bauwagenbewohner befürchten, dass die Stelle wegfällt und das Büro Braunschweiger Straße gleich mit dichtgemacht wird. Dirk M. schildert, weshalb man hellhörig wurde: „Für einige von uns führen die Streeties das Konto, helfen bei der Geldverwaltung. Jetzt wurde dazu aufgefordert, das zukünftig allein zu machen - für uns ein Zeichen, dass die Kapazitäten so stark gekürzt werden, dass diese Arbeit nicht mehr gemacht werden kann.“ Also: keine Wiederbesetzung der Stelle von Wilhelm W.. Eventuell, so befürchten die Bauwagenleute, steht auch der Standort Braunschweiger Straße auf der Streichliste. Michael F.: „Es gibt Menschen, die sind abhängig von der Braunschweiger Straße, die duschen dort und kriegen auch was zu essen. Die wären aufgeschmissen.“
Linke, Grüne, CDU und FDP stehen hinter den Forderungen der Punks und Bauis, fordern sogar eine Erweiterung der Straßensozialarbeit in Richtung „älteres Klientel“, denn die Bauwagenleute sind in die Jahre gekommen.
Auf einsamen Posten: die SPD. Oliver Schmidt wetterte in der Bezirksversammlung gegen die „Effekthascherei“ der anderen Fraktionen, meinte: „So einfach geht das nicht“ und führte das Killerargument Geld an. Rund 54.500 Euro kostet ein Straßensozialarbeiter im Jahr.
Für diese Haltung gabs vom Koalitionspartner was auf die Ohren: Gesche Boehlich (Grüne) forderte von der SPD ein mutiges politisches Zeichen. Das aber kam nicht.
Zottel und Todde von der Besuchertribüne konstatierten: „Da kann die SPD ihr S doch gleich weglassen!“ Und was sagen sie dazu, dass die Mehrheit ihre Forderungen unterstützt? „Mit Freude halten wir uns erstmal bedeckt, mal sehen, was das bewirkt.“
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1 Kommentar
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Moritz Krauß aus Wilhelmsburg | 08.05.2014 | 17:12  
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