Projekt für Arbeitslose: Alles Verarsche?

Hans-Jürgen Andresen hat großes Interesse an Menschen und schreibt gerne und gut. Das Projekt „Geschichtensammler“ der Hamburger Arbeit wäre genau das Richtige für ihn gewesen - wenn denn die Ankündigungen der Realität entsprochen hätten. Im Wochenblatt hatte Hans-Jürgen Andresen nach Interview-Partnern gesucht.

Die Hamburger Arbeit darf keine Ein-Euro-Projekte mehr machen. Um einige ist es nicht schade, meint ein ehemaliger Ein-Euro-Jobber.

Das städtische Unternehmen Hamburger Arbeit-Beschäftigungsgesellschaft mbH (HAB) muss zum 31. Dezember alle Projekte mit Ein-Euro-Kräften beenden. Das ist eine schlechte Nachricht. Oder nicht? Hans-Jürgen Andresen sieht das anders.
Als schwerbehinderter Langzeit-Arbeitsloser kam er selbst in den „Genuss“, an einem Projekt der Hamburger Arbeit teilzunehmen. Das Projekt interessierte ihn, er hatte sich darauf gefreut und sich dafür engagiert. Und musste zum Schluss feststellen: „Alles Verarsche“.
So fing es an: Im Juni erhielt Andresen im Job-Center eine „Zuweisung“ zum HAB-Projekt „Geschichtensammler“. Arbeitsbeschreibung: Führen, Erfassen und Gestalten von Interviews. Herauskommen sollte zum Schluss ein Buch.
Andresen, der gerne schreibt, war Feuer und Flamme. Eigenständig kontaktierte er das Wochenblatt und suchte Menschen, die bereit waren, sich interviewen zu lassen. Allerdings musste er feststellen: Von der HAB kam keinerlei Rückenwind. Für 25 Leute gab es dort nur zehn Computer - an denen meist Spiele gespielt wurden. „Rausgehen und Leute interviewen - das hat keiner gemacht. Die meisten konnten ohnehin keinen fehlerlosen Satz bilden.“ Als Andresen nach dem Buch fragte, das entstehen sollte, wurde ihm gesagt: Dafür müssen wir erst Sponsoren finden. „Anscheinend wussten die von Anfang an, dass da nichts draus wird“, meint Andresen und fügt hinzu: „Das nenne ich würdelos und eine Vergeudung des Geldes, das der Träger erhält.“
Das Wochenblatt hat beim Leiter der Maßnahme „Geschichtensammler Eimsbüttel“ Peter Jerocha nachgefragt. Der hat bestätigt: Ein Buch hätte nur mit Hilfe von Spendengeldern erstellt werden können. Ob nach Sponsoren gesucht worden ist? Er weiß es nicht. „Aber die Geschichten werden auf unsere Website gestellt.“ Wann? „Das kann ich so nicht sagen“. Wie viele Geschichten? „Ich weiß ja nicht, wie viel Platz ist.“
Als er darauf hingewiesen wird, dass im Internet unbegrenzt Platz ist, bittet er darum, auf der Führungsebene nochmal nachzufragen. Schließlich antwortet er auf die Frage, weshalb denn die Jobber nicht, wie angekündigt, Interviews geführt haben: Man habe sie ja zu nichts zwingen können. „Aber eine Dame hat etwas sehr Nettes über Struensee geschrieben.“
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