Pragmatisch wie Frau Merkel

Kann seine Botschaften gut vermitteln: Uwe Szczesny macht in der Altonaer Politik so leicht keiner was vor. Foto: cv

Porträt: Uwe Szczesny, CDU-Fraktionschef in Altona, wird selbst von den Autonomen der Roten Flora zitiert

Von Matthias Greulich, Karin Istel und Carsten Vitt. Welcher CDU-Politiker kann schon von sich behaupten, in einem Spruchband auf der Roten Flora zitiert worden zu sein? Uwe Szczesnys Einschätzung „Wer das kaufen will, muss Stress mögen“, fanden die Autonomen so treffend, dass sie das Bonmot im Viertel wochenlang zur Schau stellten, als es um die drohende Veräußerung des besetzten Gebäudes ging.
Ob linksautonom oder erzkonservativ: Quer durch die verschiedenen politischen Lager müssen sie zugeben, dass sich kaum jemand so gut in der Bezirkspolitik auskennt, wie der 70-Jährige Fraktionschef der Christdemokraten in Altona. Als Vertreter einer großstädtischen CDU war er 2004 Architekt der ersten schwarz-grünen Koalition auf Bezirksebene, die in Altona sieben Jahre hielt.
In der Barnerstraße aufgewachsen, wohnt er längst einige Kilometer weiter westlich. Szczesny ist Ortsvorsitzender in Rissen, wo viele möchten, dass alles so bleibt wie es ist. Sind dort wegen der Merkelschen Flüchtlingspolitik Mitglieder von der Fahne gegangen? „Wir hatten Austritte“, sagt Szczesny. Wieviel genau? „Drei“, präzisiert er und schaut den Fragesteller dabei treuherzig an. Zur heftig kritisierten Politik der Kanzlerin gibt es aus seiner Sicht keine Alternative.
Seitdem er als Junge im Nachkriegsdeutschland auf dem Schulweg jeden Tag durch Ottensen Richtung Hohenzollernring ging, hat sich der Stadtteil vom Arbeiterquartier zur begehrten Lage entwickelt. Wo es in Szczesnys Jugend feuchte Wohnungen mit Ofenheizung gab, ist längst der große Immobilienhype ausgebrochen. Als Mitglied im Bauausschuss weiß der CDU-Mann aus erster Hand, wo demnächst die Bagger anrollen. Bei den begehrtesten Grundstücken rechnet er im Gespräch rasch die Bruttogeschossfläche im Kopf aus und wieviele Wohnungen gebaut werden können.

Mietsteigerungen seien in Ottensen nicht aufzuhalten

Um die Mieten in Ottensen zu begrenzen, hat die Bezirksversammlung auf Initiative der SPD nach einem zeitaufwendigen Verwaltungsverfahren nun eine soziale Erhaltensverordnung beschlossen. „Das bringt nicht allzu viel“, glaubt Szczesny. Die Entwickung, dass die Mieten weiter steigen, sei schwer zu steuern und letztlich nicht aufzuhalten. Heftige Diskussionen gab es kürzlich um den geplanten Libeskind-Bau am Spritzenplatz. Dass der nun doch nicht kommt, findet Szczesny gut. „Der Spritzenplatz ist ein typisch innerstädtischer Platz. An dieser Stelle finde ich eine maßvolle Bebauung angemessen.“
Szczesny scheint ein Freund pragmatischer Lösungen zu sein. Die Rote Flora will er, ganz im Sinne seines berühmten Zitats, so lassen wie sie ist, um Stress zu vermeiden.
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