Plackerei für Rollifahrer

Die neu ausgebaute Rampe in Richtung Ikea hat laut Bezirksamt sechs Prozent Steigung. Hermann Jonas glaubt das nicht: „Das sind mindestens acht oder zehn Prozent“, sagt er.

„Ikea-Tunnel“: Betroffene finden Sanierung nicht behindertengerecht.

Von Christopher von Savigny.
Mühsam schiebt sich Hermann Jonas die Fußgängerrampe zur Neuen Großen Bergstraße hinauf. Doch schon nach kurzer Zeit geht es nicht mehr weiter. Der Rollstuhlfahrer betätigt die Feststellbremse und atmet erstmal tief durch. „Eigentlich habe ich starke Arme“, sagt Jonas. „Aber das hier ist wirklich eine Zumutung!“
Für insgesamt 2,3 Millionen Euro hatte der Bezirk Altona seit Herbst vergangenen Jahres den Fußgängertunnel unterhalb der Max-Brauer-Allee am Bahnhof Altona sanieren lassen. Im Juni wurde Einweihung gefeiert. Obwohl die Kosten damit mehr als doppelt so hoch waren, wie ursprünglich geplant, scheint für eine Zielgruppe – die Rollstuhlfahrer – kaum etwas übrig geblieben zu sein. Jedenfalls fehlt die Rampe auf der Bahnhofseite nun völlig. Und in Richtung Ikea sind jegliche Ruhezonen verschwunden, auf denen Rollifahrer ohne Elektroantrieb früher immer Pause machen konnten. „Diese Zonen sind gesetzlich vorgeschrieben“, schimpft Jonas, der sich bereits in der Bezirksversammlung für einen behindertengerechten Ausbau des „Ikea-Tunnels“ eingesetzt hatte.
Laut Bezirksamt musste man beim Bau darauf verzichten, weil die Rampe sonst 20 Meter länger geworden wäre. „Es geht um eine Fläche von 300 Quadratmetern, die dem Wochenmarkt fehlen würde“, sagt Sprecher Nils Fischer, der die Neugestaltung der Unterführung als „gut gelungen“ bezeichnet. Auch habe man die Neigung der Schräge von acht auf unter sechs Prozent Gefälle verringern können. Für eine neue Rampe in Richtung Bahnhofsgebäude sei hingegen schlichtweg zu wenig Platz gewesen.
Behinderte, die aus der S-Bahn aussteigen, stehen damit vor einer neuen und schwierigen Situation: Ist der Aufzug im Bahnhof kaputt oder überfüllt – und das ist häufig so – müssen sie erst den langen und beschwerlichen Weg in Richtung Neue Große Bergstraße auf sich nehmen, um dann an der Fußgängerampel ebenerdig die Max-Brauer-Allee zu überqueren. „Es ist zwar sehr zu begrüßen, wenn S- und U-Bahnhöfe in Hamburg barrierefrei ausgebaut werden“, sagt Sabine Schulze, Leiterin der Altonaer Beratungsstelle „Autonom Leben“. „Wenn aber dann so etwas herauskommt wie beim Ikea-Tunnel, finden wir das absurd und nicht hinnehmbar.“
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