Ottensener wollen ihren Kaffee auf dem Gehweg trinken

Julia Jennrich (39) aus Ottensen mit Tochter Jette (13 Monate) hält die Außengastronomie für eine Bereicherung. (Foto: rs)

Neue Vorschrift lässt weniger Platz für Cafés und Lokale: Gastronomen protestieren, Gäste und Passanten unterstützen sie.

Von Reinhard Schwarz.
Stefan Caspers ist sauer: Der Gastronom muss voraussichtlich auf Tische und Stühle vor seinem Lokal „Schweizweit“ in der Großen Rainstraße in Ottensen verzichten. Der Grund: Neuerdings müssen zwei Meter Platz zwischen den äußeren Kanten der Tische und dem Fahrbahnrand sein. Bisher reichten 1,50 Meter. Gegen die neue Vorschrift des Bezirks Altona laufen die Gastronomen in Ottensen und der Schanze Sturm. Sie haben eine Protestaktion gestartet und nach eigenen Angaben bereits mehr als 10.000 Unterschriften gesammelt.
Caspers: „An Tagen mit schönem Wetter rechne ich mit bis zu 50 Prozent Umsatzeinbußen, weil ich höchstens noch Bänke rausstellen kann.“ Denn gerade vor dem „Schweizweit“ ist der Gehweg besonders schmal.
Die Gastronomen wissen nicht nur ihre Interessenvertretung, den Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Hamburg, an ihrer Seite. Auch die Handelskammer Hamburg will die Neuregelung kippen. Argument: Die Zwei-Meter-Regelung gelte nur im Bezirk Altona. Die Kammer fordert einheitliche Vorschriften für die gesamte Hansestadt. Zudem kritisiert die CDU, Anträge würden nur schleppend bearbeitet. Das Bezirksamt weist das zurück.
Laut Bezirksamtssprecherin Kerstin Godenschwege soll die neue Vorschrift vor allem Fußgängern mehr Platz schaffen. „Wenn jemand mit dem Kinderwagen auf die Straße ausweichen muss, ist die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer nicht mehr gegeben.“
Doch viele Eltern mit Kinderwagen kommen offenbar mit der Situation gut klar. „Mich hat der Zustand vorher nicht gestört“, sagt die Ottensenerin Julia Jennrich (39), die Tochter Jette (13 Monate) im Kinderwagen kutschiert. „Ich empfinde die Außengastronomie eher als Bereicherung. Es ist doch schön, wenn man im Café auf der Straße sitzen kann.“
Die Ottensenerin Julia Slawik (31), die ihren viermonatigen Sohn Henry im Kinderwagen über die schmalen Gehwege des Viertels bugsiert, meint: „Ich bin bisher immer gut durchgekommen. Die neue Regelung finde ich bescheuert.“

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