Ottensener Original im Yukon ertrunken

Ansteckende Lebensfreude, Begeisterungsfähigkeit und immer „Hummeln im Mors“: Das charakterisierte Michael/Mike Ludwig, Ottenser Urgestein. (Foto: pr)

Michael Ludwig (66) kommt von seiner letzten Kanada-Reise nicht mehr zurück .

Ottensen hat wieder ein Original verloren: Michael „Mike“ Ludwig (66), Abenteurer, Künstler und Kneipier, ist bei einer Kajak-Reise auf dem Yukon in Kanada ertrunken.
Seit Mitte der 80er Jahre lebte Ludwig in Ottensen. Der gelernte Metallflugzeugbauer und Pilot arbeitete zwar auch in seiner Branche, probierte sich aber auf vielen Feldern aus, war Taxifahrer, Koch, Aktionskünstler, Schauspieler und Kneipenwirt des legendären „Eisbären“ in der Eulenstraße. Zuletzt bereitete er eine eigene Kabarettshow vor. Gelegentlich jobbte er noch in der Marktschänke am Spritzenplatz. Dort werden seine Freunde und Weggefährten Mitte August Abschied von ihm nehmen.
Von den späten 60ern bis 1980 lebte Mike Ludwig in Kanada. Seinen deutschen Pass hatte er aus politischen Gründen zu-
rückgegeben, er war kanadischer Staatsbürger.
Am 1. Mai dieses Jahres brach Ludwig zu einer großen Kanada-Tour auf. Vier Monate hatte er eingeplant, Schwerpunkt sollte eine Paddeltour auf dem Yukon werden. Der erfahrene und umsichtige Paddler startete in Whitehorse. Von dort sollte es nach Dawson City gehen. Der Yukon, so berichtete er Freunden in einem letzten Telefonat am 4. Juni, sei dieses Jahr schwierig zu befahren, er führte Hochwasser und sogar Eis. Es regne ununterbrochen. Mike Ludwig hatte zwei Tage Hotelübernachtung eingeschoben, um trocken zu werden.
Am 10. Juni war er wieder auf dem Fluss. An diesem Tag beobachtete ein Augenzeuge, wie er kenterte, aber unbeschadet das Ufer erreichen konnte. Zwischen dem 15. und 30. Juni muss er wieder gekentert sein. Diesmal konnte er sich nicht retten. Ludwigs Papiere und später auch sein Leichnam wurden Wochen später in Alaska angeschwemmt. Seinem Wunsch entsprechend wird seine Asche im Norden Kanadas verstreut.
Mike Ludwig hat nie geheiratet. Sein großer Freundeskreis ersetzte ihm die Familie. Thomas Frey kennt ihn seit 30 Jahren: „Mike war begeisterungsfähig wie ein kleiner Junge, hatte sich eine Jugendhaftigkeit bewahrt, die ansteckend war. Er war weltoffen und tolerant, aber gleichzeitig in positiven Sinne Moralist, stellte sich immer gegen die Masse und den Mainstream. Er hinterlässt eine große Lücke.“
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