Osdorfer Born: Der unfertige Stadtteil

Werbe-Broschüre der SPD von 1974: „Start in zwei Jahren.“ (Foto: pr)
 
Rollt jemals eine U-Bahn in den Osdorfer Born? Foto: hochbahn

Das U-Bahn-Versprechen: Warum die SPD immer noch liefern muss – ein Meinungsbeitrag

Carsten Vitt, Osdorfer Born

Wenn Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) am Sonnabend, 1. Juli, das Jubiläumsfest im Osdorfer Born eröffnet, werden einige Zuhörer auf jedes Wort seiner Rede achten. Vor allem die Wörter „Schienenanbindung“ und „U-Bahn“ sind aus Borner Sicht hochinteressant. Die Großsiedlung am Hamburger Stadtrand wurde vor 50 Jahren gebaut. Eine U-Bahn – von Anfang an vorgesehen, doch später aus Geldmangel gestrichen – gibt es bis heute nicht.
Die neuen Wohnblöcke im Born waren gerade fertig geworden, als die Hamburger Sozialdemokraten die U-Bahn-Anbindung zum Wahlversprechen machten. Bundeskanzler Willy Brandt bekräftigte es bei seinem Besuch im Herbst 1973, um die wahlkämpfenden Genossen zu unterstützen. Nach der Wahl stoppte Bürgermeister Hans-Ulrich Klose den U-Bahn-Bau, weil Hamburg das Geld fehlte. Jahrzehntelang tat sich nichts.

In die unfertige Hafencity fährt bereits eine Bahn

Seit gut drei Jahren plant Hamburg die neue U-Bahn-Linie 5, die Stadtteile im Osten und Westen Hamburgs an die Innenstadt anbinden soll. In Bramfeld und Steilshoop wird bereits über Trassen und Bahnhöfe diskutiert und gestritten. In Eimsbüttel lässt die Hochbahn per Tiefbohrung den Baugrund untersuchen, in Lurup und im Osdorfer Born ist man weit davon entfernt.
Es ist kein trotziges Klammern an alten Zusagen, wenn die Bewohner auf einer U-Bahn-Anbindung beharren. Es ist notwendig: Der Architekt Joachim Reinig argumentiert, dass für eine erfolgreiche Integration von Stadtrandsiedlungen vor allem zwei Dinge wichtig seien – erstens Beleuchtung, damit sich die Menschen sicher fühlen. Und zweitens öffentliche Verkehrsmittel, damit die Bewohner ihre Arbeitsplätze erreichen.
Die Borner haben sich in den vergangenen Jahrzehnten mit der Lage arrangiert: Sie ertragen murrend die lange und umständliche Fahrt in häufig überfüllten Bussen nach Altona oder in die City. Wer es sich leisten kann, hat ein Auto.
Die Bewohner im Born fragen sich aber: Warum baut Hamburg für 323 Millionen Euro eine U-Bahn in die noch unfertige Hafencity, aber bei ihnen im Westen tut sich seit 50 Jahren nichts?

❱❱ Jubiläumsfest
am Sonnabend, 1. Juli, von
11 bis 17 Uhr vor dem Born
Center, Bornheide


Bau der U 5 beginnt in Bramfeld

Der Hamburger Senat lässt bis Ende 2018 prüfen, ob eine U-Bahn von Lokstedt über Stellingen, die Arenen und Lurup in den Osdorfer Born (U5 Nord) oder eine S-Bahn von Altona-Nord über Bahrenfeld in den Born (S32 Süd) gebaut wird.
Nach bisheriger Einschätzung spricht vieles für die U5 Nord, da diese Strecke das Verkehrsnetz am besten erweitert und vielen Nutzern eine gute Alternative zum Auto bieten kann.
Für die S32 Süd spricht hingegen, dass sie neue Wohngebiete in Bahrenfeld gut erschließt und mit einem vergleichsweise geringen Aufwand zu realisieren wäre.
Grüne und CDU in Altona favorisieren die Südvariante. Die Verkehrsinitiative „Starten: Bahn West“, die Bürger aus Osdorf, Lurup, Bahrenfeld und Schenefeld vertritt, will einen schnellstmöglichen Anschluss des seit Jahrzehnten abgehängten Westens. Ein Vorschlag der Verkehrsexperten: Baut doch die U5 Nord vom Osdorfer Born aus und fädelt die Züge ab Stellingen in die U2-Strecke ein. Die Initiative erinnert beharrlich an die Aussage im rot-grünen Koalitionsvertrag, Planung und Bau der U5 möglichst zeitgleich in Bramfeld wie im Osdorfer Born zu beginnen.
„Möglichst.“ Die regierende SPD vermeidet mit diesem kleinen Wörtchen klare Aussagen. Man mag sich nicht festlegen, schon gar nicht auf einen Zeitplan. Im Osten sei man weiter, weil die Linienführung dort einfacher sei, heißt es aus der Bürgerschaftsfraktion. Im Westen sei der Vergleich der möglichen Strecken aufwändig.
Martina Koeppen, verkehrspolitische Sprecherin der Bürgerschaftsfraktion: „Ziel der Koalitionspartner ist es, die U5 nicht von Ost nach West, also von Bramfeld bis Osdorf zu planen und zu bauen, sondern möglichst parallel auf beiden Seiten der Linienführung voranzukommen.“ Wieder: möglichst.
Filiz Demirel, Grünen-Bürgerschaftsabgeordnete für Osdorf, wird da schon deutlicher: „Wir wollen nicht länger zusehen, dass die Stadtteile und Menschen durch schlechte Mobilität abgehängt werden. Nach 40 Jahren Versprechungen an Osdorf und Lurup soll nun die Schienenanbindung endlich konkretisiert werden.“
Ob es am Ende eine U-Bahn oder S-Bahn wird, sei für viele vor Ort nicht entscheidend. „Entscheidend ist, dass die Süd-Trasse kommt und zügig umgesetzt werden kann“, meint Demirel.

Bahnpläne
Länge der geplanten Linie U5: Etwa 30 Kilometer
Kosten (geschätzt):
drei bis vier Milliarden Euro
Baubeginn: Etwa 2020 in Bramfeld/Steilshoop
Bauzeit (gesamt):
15 bis 20 Jahre

Variante U5 Nord: Lokstedt, Stellingen, Arenen, Lurup, Osdorfer Born

Variante S32 Süd: Fernbahnhof Diebsteich, Bahrenfeld/Volkspark, Lurup, Osdorfer Born
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