Olaf, weitermachen!

Strafender Blick auf die Journalisten, die am liebsten mit zum Wählen kommen würden... Olaf Scholz hinter der Pappwand, die die Wahlkabine darstellte.

Momentaufnahme aus dem Wahllokal , in dem der Bürgermeister abstimmte.
SPD gewinnt die Bürgerschaftswahl, braucht aber politischen Partner.

Wahllokal 20301 in der Gewerbeschule Museumstraße, 10.30 Uhr am Sonntagvormittag. Wahltag in Hamburg. Rund 50 Fotografen stehen bereit, Kameras im Anschlag. Um 11 Uhr soll Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz hier wählen. Wahlvorstand Rainer Peymann sorgt dafür, dass der Rummel nicht die „normalen“ Wähler verschreckt.
Viele bleiben wie angewurzelt in der Tür stehen, als sie die vielen Kameras auf sich gerichtet sehen. Andere wissen schon länger, dass sie im selben Wahlbezirk wohnen wie der Bürgermeister und kommen souverän ihrer Bürgerpflicht nach.
Oder auch nicht: ein älteres Ehepaar mit Hut. Er verschwindet in der Wahlkabine auf der rechten Seite des Raums, sie in der auf der linken Seite. Er kommt wieder raus mit den Papieren in der Hand, steckt sie in die Wahlurne. Sie erscheint ohne Papiere: „Hermann? Kannst du mal kommen?“
Wahlvorstand Peymann stürzt sich dazwischen: „Nein. Das geht nicht.“ Die Dame erbost: „Doch!“ Peymann: „Die Wahl ist geheim!“ Vergeblich: Kurze Beratung zwischen Mann und Frau. Er sagt was. Sie wählt. Beide ziehen ab. Der Wahlvorsteher grummelt: „Beraten dürfen sie sich hier drinnen eigentlich gar nicht. Nur draußen vor der Tür. Das ist eine geheime Wahl. So geheim, dass sogar ein Hund nicht mit in die Kabine darf, wenn er lesen kann....“
Schwamm drüber. Der Bürgermeister kommt. Olaf Scholz, Hand in Hand mit seiner Frau Britta Ernst. Zieht sich in die Wahlkabine zurück und wirft den Fotografen, die mit der Kamera um die Ecke zielen wollen, einen strafenden Blick zu. Beantwortet danach Fragen der Journalisten. Es sei ja kein Geheimnis, dass er alle seine Stimmen der SPD gegeben habe. Ja, er fühlt sich gut. Den Rest des Sonntags werden er und seine Frau bis zum Abend „privat“ verbringen. Und Hauptsache sei, dass viele Hamburger zur Wahl gingen.
Ein Wunsch, der nicht in Erfüllung ging. Die Wahlbeteiligung ist weiter abgesackt, auf unter 56,9 Prozent.
Ein weiterer nicht erfüllter Scholz-Wunsch: Die SPD hat die absolute Mehrheit verpasst und muss sich einen Koalitionspartner suchen. Die Grünen sollen es sein. Macht nichts – Scholz sitzt nach dieser Wahl weiter bombenfest im Sattel: 45,7 Prozent.
Die CDU dagegen fährt das schlechteste Wahlergebnis ihrer Geschichte ein: 15,9 Prozent. Die Grünen legen einen Hauch zu: 12,1 Prozent, die Linke legten auch eins drauf: 8,5 Prozent. Die FDP ist mit starken 7,4 Prozent drin. Und die AfD zieht, zum Ärger sämtlicher anderer Fraktionen, mit 6,1 Prozent ins Rathaus ein.
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